Rhodo­den­dron­blüte am Gerold­sauer Wasserfall

Wer schon einmal vom Gerold­sauer Wasser­fall gehört hat, der weiß bestimmt auch, dass vor allen Dingen eins ihn so beson­ders machen soll: Die Rhodo­den­dron­blüte. Vor einigen Jahren, war ich schon einmal zur Blüte­zeit vor Ort und wollte in diesem Jahr sehen, wie sich die Rhodo­den­dren entwi­ckelt haben. Eine Bild­idee für die Rhodo­den­dron­blüte am Gerold­sauer Wasser­fall hatte ich im Kopf, ob ich sie umsetzen konnte? Außerdem im BLOG: Welche Einstel­lungen & Filter sind notwendig für die Wasser­fall­fo­to­grafie? Was gibt es bei der Wasser­fall­fo­to­grafie zu beachten? Und warum ist der Schwarz­wald so perfekt, um deine Fähig­keiten in der Wasser­fall­fo­to­grafie zu erweitern? 

Den VLOG zum BLOG seht ihr unten auf der Seite oder ihr erreicht ihn über diesen Button:

1. Welche Einstel­lungen für die Wasserfallfotografie?

Meiner Meinung nach hast du drei Optionen: 

  • kurze Belich­tungs­zeiten (ca. < 1/200 s), um die Kraft des Wassers sichtbar zu machen,
  • mittel­lange Belich­tungs­zeiten ( zwischen 0,1 und 1 s) zum Erhalten der Wasser­struktur aber künst­le­ri­scher Wirkung,
  • lange Belich­tungs­zeiten (> 5 s) für eine ruhi­gere Wirkung und seidig glatt gezo­genem Wasser.

Für was du dich entschei­dest, ist deine Entschei­dung und deine Form des foto­gra­fi­schen Ausdrucks. Dennoch, möchte ich dir ein paar Argu­mente an die Hand geben, wann ich mich für welche Belich­tungs­zeit entscheide. 

Kurze Belich­tungs­zeiten

Bei großen monu­men­talen Wasser­fällen (Skóga­foss in Island, Múla­fo­ssur auf den Färöer, …) kann eine kurze Belich­tungs­zeit helfen, um die Kraft des Wassers einzu­fangen, die an so einem großen Wasser­fall hinunter stürzt. Gerade gepaart mit einem zweiten Element (Mensch, Vogel,…), das die Skalie­rung und Größe des Wasser­falls zusätz­lich ersicht­lich macht.

Mittel­lange Belichtungszeiten

Eine mittel­lange Belich­tungs­zeit, meist so zwischen 0,1 s und 1 s, ist die Belich­tungs­zeit, die ich am häufigsten bei Wasser­fällen anstrebe, gerade für die mittel­großen Wasser­fälle des Schwarz­walds. Für meinen Geschmack ist diese der Sweet-Spot zwischen glattem Wasser und noch sicht­barer Struktur. Welche Belich­tungs­zeit genau hängt dabei ein wenig von der Entfer­nung zum Wasser­fall und der gewählten Brenn­weite ab. Bin ich näher dran, oder zoome weiter in den Wasser­fall, kann sein, dass ich etwas länger belichte, wenn ich weiter weg bin oder weit­wink­liger foto­gra­fiere etwas kürzer. Dies liegt daran, dass wenn der Wasser­fall “kleiner” auf dem Foto abge­bildet wird, das Wasser mehr Zeit benö­tigt, um eine größere Weg (also Anzahl an Pixel auf dem Sensor) zurück­zu­legen. Sind wir näher dran, kann schon ein zurück­ge­legter Weg des Wassers von wenigen Zenti­me­tern ein zurück­legen von Pixeln über den halben Sensor bedeuten. 

Lange Belich­tungs­zeiten

Extrem lange Belich­tungs­zeiten von bspw. über 5 s nutze ich selten, weiß aber, dass es viele Foto­grafen gibt, die genau auf dieses seidig glatte, künst­le­risch darge­stellte Wasser stehen. So eine Darstel­lung verein­facht ein Bild, lässt es ruhiger wirken und eignet sich daher auch für mini­ma­lis­ti­schere, klarer struk­tu­rierte Wasser­fall­fotos. Für diese langen Belich­tungs­zeiten nutzt ihr, wenn notwendig Grau­filter und eine möglichst nied­rige ISO. 

Ansonsten sind ISO und Blende in der Wasser­fall­fo­to­grafie für mich nur Mittel und Zweck, um auf die gewünschte Belich­tungs­zeit zu kommen. Benö­tige ich ISO 400, dann nutze ich das. Alles scharf mit Blende 11, dann eben Blende 11.

Mysti­scher Gerold­sauer Wasserall | Sony a7 IV + Sony FE 2.8/16–35 mm GM

2. Welche Filter sind notwendig für die Wasserfallfotografie?

In der Wasser­fall­fo­to­grafie geht es mitunter feucht zu. Steine, Totholz, Wasser, Pflanzen — alle spie­geln helles von oben kommendes Licht wieder und dadurch verliert man sehr schnell an Kontrast und Farbe. Deshalb ist in den meisten Fällen ein zirku­larer Polfilter (*) für die Wasser­fall­fo­to­grafie unab­dingbar. Damit nimmst du das Streu­licht von den reflek­tie­renden Ober­flä­chen weg und erhältst dadurch die eigent­liche Farbe der Bild­ele­mente zurück. Im Live-View deiner Kamera kannst du die Wirkung direkt beob­achten und bei bedarf auch ein wenig mehr oder weniger der Reflek­tion heraus­nehmen, je nach belieben.

Für lange Belich­tungs­zeiten benö­tigst du zusätz­lich noch einen ND-Filter. Dieser redu­ziert gene­rell die Licht­menge, die in deine Kamera gelangt und ermög­licht so eine längere Belich­tungs­zeit. Ich empfehle dir, wenn du dich ernst­haft mit der Wasser­fall­fo­to­grafie beschäf­tigen willst, gleich ein hoch­wer­tiges Filter-Set (*) gepaart aus 2–3 ND-Filtern und einem zirku­laren Polfilter zuzu­legen. Erstens wirst du daran lange Freude haben, zwei­tens stören hoch­wer­tige Filter nicht die Farb­wie­der­gabe sondern erhalten die rich­tigen Farben, trotz dichtem grau. Achte beim Kauf auch darauf die Filter­größe für dein größtes Objektiv zu kaufen und für die klei­neren Objek­tive mit güns­tigen Step-Up-Ringen (*) zu arbeiten. 

Weitere Filter, wie Mist-Filter oder ähnli­ches sind nicht notwendig. Solche Effekte lassen sich mühelos in Ligh­t­room, Photo­shop oder Luminar Neo in Bild­be­ar­bei­tung mit wenigen Klicks nach­bauen. Geld, das du meines Erach­tens an anderer Stelle sinn­voller einsetzen kannst.

Außerdem wichtig für die Wasser­fall­fo­to­grafie sind Stativ (*), Mikro­fa­ser­tü­cher (*) und ggf. ein Regen­schutz für Kamera plus Objektiv (*), solltet ihr sehr nahe ran wollen.

Rhododendronblüte am Geroldsauer Wasserfall
Rhodo­den­dron­blüte am Gerold­sauer Wasser­fall | Sony a7 IV + Sony FE 2.8/16–35 mm GM

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3. Was gibt es in der Wasser­fall­fo­to­grafie zu beachten?

Neben der Ausrüs­tung, dem Einsatz der Filter und den rich­tigen Einstel­lungen, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen, gibt es natür­lich eine Sache, die ihr unbe­dingt noch beachten solltet, wenn es um die Wasser­fall­fo­to­grafie geht: Das Wetter.

Bevor­zugtes Wetter

Gene­rell zu bevor­zugen ist Dunst, Nebel, leichter Regen oder eine dichte Bewöl­kung. Dadurch ergibt sich eine gleich­mä­ßige Ausleuch­tung der Szene und keine harten Licht­spots oder dunkle Schatten. Außerdem könnt ihr bei solche einem Wetter ganz­tägig Wasser­fälle fotografieren. 

Sobald die Sonne im Spiel ist, wird es schwie­riger. Gerade als Anfänger würde ich diese Situa­tion also erst mal meiden. Aller­dings könnt ihr mit Hilfe von Smart­phone Tools wie Photo-Pills und dessen Live-View exakt planen, was ihr machen wollt. Soll die Sonne im Bild sein, empfehle ich vorab den Spot zu scouten und eine Bild­kom­po­si­tion fest­zu­legen, mit Hilfe vom Smart­phone die Jahres- und Tages­zeit heraus­finden, wann die Sonne günstig steht und das in den Kalender eintragen. Gibt es dann einen sonnigen Tag, dann am besten vor Ort sein. Eine geschlos­sene Blende für einen Sonnen­stern nutzen und ggf. eine Belich­tungs­reihe (HRD) nutzen, dann passt das. Beachtet aber, dass die Vege­ta­tion sich im Jahres­ver­lauf ändert. 

Unge­eig­netes Wetter

Außerdem solltet ihr darauf achten, ob Wind ange­sagt ist, beson­ders wenn es viel grüne Vege­ta­tion um euren Wasser­fall gibt. Bei zu viel Wind gilt es gene­rell den Wald zu meiden. Aber auch schon nur leichter Wind kann es äußerst schwierig machen, da sich Blätter unent­wegt bewegen. Mögli­cher­weise sind dann mehrere Bilder notwendig, die ihr in Photo­shop zusam­men­setzen könnte. Kurze Belich­tungs­zeiten für die Blätter, lange für das Wasser. Achtet dann beim Bild­aufbau darauf, dass ihr diese Bild­ele­mente schön sepa­riert, sonst habt ihr es in der Bild­be­ar­bei­tung echt schwer!

Bild­aufbau

Beim Bild­aufbau nutzt Ebenen (Vorder­grund, Mittel­grund, Hinter­grund), führende Linien oder natür­liche Rahmen. Quer­lie­gende Bäume können einen Bild­aufbau zerstören, achtet darauf sie harmo­nisch ins Bild zu inte­grieren, so dass sie den Blick des Betrach­ters nicht aus dem Bild leiten. Weckt das Inter­esse des Betrach­ters mit einem inter­es­santen Vorder­grund und leitet den Blick hin zum Haupt­motiv: den Wasserfall.

Grüne Perle | Sony a7 IV + Sony FE 2.8/16–35 mm GM

4. Warum ist der Schwarz­wald perfekt für Wasserfallfotografie?

Der Schwarz­wald bietet fast an jeder Ecke vom Süden bis in den Norden, klei­nere und größere Wasser­fälle. Genug, um sich für einige Zeit ausgiebig mit der Wasser­fall­fo­to­grafie zu beschäf­tigen. Seine dichte, ja fast schon dunkle Vege­ta­tion grenzt die Sonne lange aus, so dass sich eigent­lich fast täglich und über das ganze Jahr hinweg gute Bedin­gungen für die Wasser­fall­fo­to­grafie finden lassen. Passt es an einer Stelle nicht, ist man meist inner­halb von 30 Minuten an einem anderen Wasser­fall. Man kann also als Anfänger auch viele falsche Einschät­zungen recht schnell noch ausbü­geln. Auch klei­nere Bach­läufe bieten an den steilen Hängen des Schwarz­waldes immer wieder schöne Strom­schnellen, an denen man mit Belich­tungs­zeit und Bild­aufbau expe­ri­men­tieren kann. Welche Gründe spre­chen noch für den Schwarz­wald als perfektes Wasser­fall­fo­to­grafie-Mekka? Schreib es gerne in die Kommentare!

Sony a7 IV + Sony FE 2.8/16–35 mm GM

Habe ich mein Wunsch­bilder zur Rhodo­den­dron­blüte bekommen?

Leider nicht. Als ich zuletzt vor 5 Jahren (so lange war es schon her!) am Gerold­sauer Wasser­fall war, um mir die Rhodo­den­dron­blüte anzu­schauen (und auch zu foto­gra­fieren), da hingen noch große Ballen über dem Wasser­fall und seit­lich davon. Ich hatte die Hoff­nung, dass sich über den letzten Jahren die Rhodo­den­dren weiter ausge­breitet haben könnten und ich einen ganzen Strauch, wenn nicht aber einzelne Blüten nahe an der Kamera als Vorder­grund posi­tio­nieren könnte und den Gerold­sauer Wasser­fall mit seinen knapp 6 m Fall­höhe im Hinter­grund als Neben­motiv. Ich wusste wo solche Stellen sein könnten, weil ich vor 5 Jahren klei­nere Sträu­cher an den idealen Posi­tionen vorfand. Aber leider mussten diese wohl das zeit­liche segnen. 

Als ich mich dennoch nicht unter­kriegen lies und einige schöne Bild­auf­bauten auspro­bierte, entdeckte ich plötz­lich eine Blüte im Wasser schwimmen. Mit dem ausge­zo­genen Fuß meines Stativs angelte ich die Blüte aus dem Wasser und legte sie deko­rativ auf einen Felsen nahe des Wasser­falls. So entstand zumin­dest ein “Trost­foto” einer Rhodo­den­dron­blüte am Gerold­sauer Wasser­fall. Mehr dazu findet ihr unten im Video zu diesem Vormittag. 

An den Gerold­sauer Strom­schnellen | Sony a7 IV + Sony FE 2.8/16–35 mm GM

Die Infos in Kürze

Welche Einstel­lungen für Wasserfallfotografie? 

Wichtig ist die Belich­tungs­zeit: Kurze Belich­tungs­zeit zu Darstel­lung der Kraft des Wassers, mittel­lange bis lange Belich­tungs­zeiten für ruhi­geres bis glattes Wassers. Blende und ISO sind Mittel zum Zweck: Alles scharf — klei­nere Blende, Vorder­grund unscharf — große Blende, ISO niedrig, aber nur so niedrig wie möglich für gewünschte Belichtungszeit. 

Stativ, Mikro­fa­ser­tü­cher, ggf. Regen-Cover. In Sachen Filter ist eins ganz klar: der zirku­lare Polfilter ist gesetzt. Für längere Belich­tungs­zeiten ist es gut ND-Filter verschie­dener Abstu­fungen dabei zu haben. 

Ganz klar: Das Wetter. Nebel, Dunst, Bewöl­kung, auch leichter Regen, helfen auch über den Tag hinweg tolle Bilder an Wasser­fällen aufnehmen zu können. Möchtet ihr Sonne, bspw. im Gegen­licht mit drauf haben, solltet ihr den Wasser­fall am besten vorab scouten und mit Photo-Pills Live-View planen, wann und zu welcher Jahres­zeit die Sonne an der gewünschten Posi­tion steht. Beachtet dabei aber auch die Vege­ta­tion, die im Sommer dichter ist, als im Winter.

Fazit: Schwarz­wald ist ein Best-Spot für Wasserfallfotografie

Also ihr seht es für die Wasser­fall­fo­to­grafie benö­tigt ihr nicht viel: Kamera, Objektiv, Pol-Filter, Stativ sind die wich­tigen Punkte. Und Kamera & Objektiv müssen dabei weder die neuste, noch die teuerste, noch das licht­stärkste sein. Wenn ihr die Wasser­fall­fo­to­grafie auspro­bieren wollte, dann unbe­dingt den Schwarz­wald ins Auge fassen. Von Triberg, über Aller­hei­ligen bis Geroldsau und Gertel­bach gibt es viele, beinahe unzäh­lige Möglich­keiten für die Wasserfallfotografie. 

VLOG zum BLOG

Der Gerold­sauer Wasser­fall im Schwarz­wald ist berühmt für seine spek­ta­ku­läre Rhodo­den­dron­blüte. Doch was macht man, wenn die Blüte enttäuscht? In diesem Video nehme ich dich mit zur Land­schafts­fo­to­grafie im Schwarz­wald und zeige dir, wie du trotz schwie­riger Bedin­gungen das Beste aus der Loca­tion herausholst.

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