Magi­sches Belichtungsdreieck

Blende, ISO und Belich­tungs­zeit erklärt

In diesem BLOG-Beitrag geht es um ein Thema, das vor allen Dingen für die Einsteiger in die Foto­grafie inter­es­sant sein dürfte. Er richtet sich an alle, die endlich durch­bli­cken wollen, wie ISO, Blende und Belich­tungs­zeit zusam­men­hängen. Wenn ihr euch bisher schwer damit getan habt, dann lest ihn aufmerksam durch, oder schaut mein Video dazu auf YouTube. 

Das Video zum BLOG seht ihr unten auf der Seite oder ihr erreicht ihn über diesen Button:

Für Einsteiger in die Foto­grafie ist es manchmal gar nicht so einfach, all die neuen Begriffe ausein­ander zu halten. Die Zusam­men­hänge dieser Einstel­lungen sind dann noch ein weiteres Thema. Als Anfänger gibt es eigent­lich genau zwei Themen, die man verin­ner­li­chen sollte.

Das ist zum einen der Zusam­men­hang zwischen Blende, Belich­tungs­zeit und ISO, sozu­sagen das Belich­tungs­dreieck und zum anderen die unter­schied­li­chen Kame­ra­modi, wie die Blen­den­vor­wahl, Zeit­vor­wahl und der Manu­elle Modus. Letz­tere werde ich euch in meinem nächsten Video/BLOG erläu­tern und euch einige Praxis­bei­spiele zeigen, wie diese in der Land­schafts- und Natur­fo­to­grafie einzu­setzen sind.

In diesem Beitrag kümmern wir uns um Blende, Belich­tungs­zeit und ISO. Ich erläu­tere euch die Zusam­men­hänge, Auswir­kungen auf die Belich­tung und die Bildgestaltung.

Belich­tungs­dreieck

Betrachten wir diese drei Para­meter in Form eines Dreieck. Alle drei Ecken stehen mitein­ander in Verbin­dung, bzw. in Abhän­gig­keit zuein­ander. Verän­dere ich einen der Para­meter, so muss ich einen oder auch beide anderen nach­stellen, um in Bezug auf die Belich­tung das gleiche Ergebnis zu erhalten. Die Bild­ge­stal­tung kann dabei aber eine andere sein. Aber dazu kommen wir gegen Ende des Videos.

Betrachten wir die Para­meter erst einmal getrennt vonein­ander, um zu verstehen, was jeder einzelne steuert. Bitte habt im Hinter­kopf, dass ich dieses Thema hier im Video/BLOG versuche für den Einsteiger verständ­lich zu erklären. Alle tech­ni­schen und physi­ka­li­schen Hinter­gründe, die nicht zum Verständnis beitragen lasse ich bewusst außen vor, um es nicht zu trocken und theo­re­tisch werden zu lassen.

Die Blende

Beginnen wir mit der Blende. Als Blende bezeichnet man die Öffnung des Objek­tivs. Sie hat Einfluss auf zwei Dinge. Erstens die Schär­fen­tiefe im Bild und zwei­tens die Licht­menge, die ins innere der Kamera, also auf den Foto­sensor gelangt.

Die Schär­fen­tiefe ist ein wich­tiges gestal­te­ri­sches Element in der Foto­grafie. Bei einer weit geöff­neten Blende wird die Tiefe im Bild, die Scharf abge­bildet wird immer kleiner. Alles was hinter oder vor dem Fokus­punkt liegt wird also zuneh­mend unscharf und verschwimmt, je mehr wir die Blende öffnen.

Schließen wir die Blende, so erhalten wir eine größere Schär­fen­tiefe. Je weiter wir die Blende schließen, desto größer wird der Bereich der vor und hinter dem Fokus­punkt scharf abge­bildet wird. Um in der Land­schafts­fo­to­grafie also ein Bild zu erhalten, dass eine durch­ge­hende Schärfe besitzt, benö­tigen wir also nur die Blende möglichst weit zu schließen, fragt ihr euch? Nein. So einfach ist das leider nicht.

Licht­strahlen besitzen die Eigen­schaft, dass sie an einem schmalen Spalt beginnen sich zu beugen. Eine weit geschlos­sene Blende ist nichts weiter als ein sehr schmaler Spalt. Durch diese Beugung tritt auf euren Bildern eine so genannte Beugungs­un­schärfe auf. Schließt deshalb die Blende so weit möglich, um eine große Schär­fen­tiefe zu erhalten, aber nur so weit wie nötig!

Zum Thema Schär­fen­tiefe sei noch erwähnt, dass sie eben­falls von der gewählten Brenn­weite und der Entfer­nung des Fokus­punktes abhängt. Sie also bei einer bestimmten Blende nicht immer genau so und so tief. Aber das ist nochmal ein Thema für sich.

Wie ihr euch sicher denken könnt, kommt bei weit geöff­neter Blende wesent­lich mehr Licht in die Kamera, als bei einer weit geschlos­senen Blende. Diese Bezie­hung ist exakt 1 zu 1. Halbiere ich die Blen­den­öff­nung halbiere ich auch die Lichtmenge.

Was heißt jetzt eigent­lich offene, geschlos­sene Blende und Halbieren. Für die Blende gibt es Kenn­zahlen. f/2.8, f/4, f/8, und so weiter. Das F steht für die Brenn­weite eines Objek­tivs und die Blen­den­zahl sagt aus, in welchem Verhältnis Brenn­weite zum Öffnungs­durch­messer steht. Bei f/8 ist die Öffnung quasi ein Achtel der Brenn­weite. Bei f/4 ein Viertel der Brenn­weite. Wer des Bruch­rech­nens mächtig ist, erkennt also, dass f/4 deut­lich mehr Licht, als f/8 in die Kamera lässt. Genau gesagt das doppelte an Licht.

Nun sollte auch klar werden, dass je kleiner die Blen­den­zahl wird, desto größer die Licht­menge auf den Sensor. Easy, oder? Also merkt euch: Kleine Zahl viel Licht, große Zahl wenig Licht. Kleine Zahl wenig Schär­fen­tiefe, große Zahl große Schärfentiefe.

Es gibt Fest­brenn­weiten die durchaus eine Blende von f/1.4 oder f/1.2 besitzen. Dementspre­chend groß ist deren Durch­messer und entspre­chend klein die Schär­fen­tiefe bei geöff­neter Blende. Dafür haben diese Objek­tive ein wunder­schönes Bokeh, was toll für die Portrait­fo­to­grafie ist.

Da diese Objek­tive für die Land­schafts­fo­to­grafie eher weniger eine Rolle spielen, sollten wir beim Objek­tiv­kauf eher darauf achten, wie die Schärfe im Bereich zwischen f/8 und f/11 sich verhält. Um die vorhin genannte Beugungs­un­schärfe zu vermeiden, sollten wir nur in seltenen Fällen kleiner als f/16 gehen. Dem Beugen der Licht­strahlen bei kleiner Blen­den­öff­nung ist übri­gens auch zu verdanken, dass wir solche Dinge wie Sonnen­sterne auf unsren Bildern erzeugen können. Mit dem jetzigen Wissen, sollte euch also klar sein, wie ihr diese erzeugen könnt.

Sonnen­durch­flu­teter Früh­lings­wald | Sony a7IV + Sony FE 4/24–105 mm G OSS

Die Belich­tungs­zeit

Doch genug zur Blende, kommen wir zur Belich­tungs­zeit. Mit der Belich­tungs­zeit können wir Einfluss nehmen, wie Scharf oder Verschwommen eine Bewe­gung aufge­nommen wird. Bei extrem kurzen Belich­tungs­zeiten können wir selbst schnellste Bewe­gungen kleiner Insekten oder Vögel scharf abbilden und so zusagen einfrieren. Bei langen Belich­tungs­zeiten können wir Bewe­gungen sichtbar machen, in dem sie leicht verschwommen darge­stellt werden. Bei extrem langen Belich­tungs­zeiten von mehreren Sekunden oder sogar Minuten können wir sich bewe­gende Objekte sogar verschwinden lassen oder zum Beispiel vorbei­zie­hende Wolken als Streifen darstellen.

Die Belich­tungs­zeit ist also in erster Linie ein gestal­te­ri­scher Para­meter. Ähnlich der Blende. Und eben­falls wie die Blende steuern wir mit ihr die Menge des einfal­lenden Lichtes auf den Sensor. Verdop­peln wir die Belich­tungs­zeit, so verdop­peln wir auch die Menge des Lichtes, die auf den Sensor trifft.

Die Belich­tungs­zeit wird in Sekunden ange­geben. Das erklärt warum wir teil­weise 1/200 oder 1/50 ange­zeigt bekommen. Im letzten Fall wäre die Belich­tungs­zeit eben 1/50 der Sekunde. Oder anders ausge­drückt 0,02 Sekunden.

Dieser Umstand macht uns klar, warum also manche Bewe­gungen verschwommen aufge­nommen werden. In der Zeit der Belich­tung legt ein bestimmtes Objekt eben einen bestimmten Weg zurück und dies wird als Bewe­gungs­un­schärfe auf unserem Bild darge­stellt. Bei flie­ßendem Wasser, machen wir uns das zu Nutze, um es weich aussehen zu lassen. Oder auch bei bewegtem Gras, um dem Betrachter zu verdeut­li­chen, dass Wind herrschte. Euch fallen bestimmt noch mehr Beispiele ein, schreibt diese gerne mal in die Kommentare.

In der Land­schafts­fo­to­grafie arbeiten wir oft mit recht langen Belich­tungs­zeiten, gerade wenn wir bei Tag-zu-Nacht-Über­gang unter­wegs sind. Deshalb arbeiten wir häufig auf dem Stativ. Denn auch die Bewe­gung unserer Kamera würde eine Bewe­gungs­un­schärfe erzeugen.

Die Faust­regel, übri­gens, bei der wir auch aus der Hand noch ohne Verwack­lung Bilder aufnehmen können, liegt bei etwa 1/Brennweite. Bei 400 mm also bei etwas 1/400 Sekunde. Moderne Objek­tive und Kameras mit Bild­sta­bi­li­sie­rung ermög­li­chen uns meist aber sogar etwas längere Belich­tungs­zeiten. Aber das nur mal so am Rande.

Diese Verwack­lung durch die Bewe­gung der Kamera kann übri­gens auch ein gestal­te­ri­sches Mittel sein. Zum Beispiel bei der ICM-Foto­grafie, mit der durch die bewusste Bewe­gung der Kamera abstrakte Foto­gra­fien erzeugt werden.

Merkt euch zur Belich­tungs­zeit jeden­falls lange Belich­tungs­zeit führt zu Bewe­gungs­un­schärfe und mittels kurzen Belich­tungs­zeiten könnt ihr Bewe­gungen einfrieren. Lange Belich­tungs­zeiten bedeuten mehr Licht auf dem Sensor, kurze Belich­tungs­zeiten weniger Licht.

Dünen­gräser | Sony a7IV + Sony FE 2.8/16–35 mm GM

ISO

Wir können also nun die Licht­menge über die Blende und über die Belich­tungs­zeit steuern. Was ist aber, wenn wir wenig Licht durch die Blende lassen für eine hohe Schär­fen­tiefe und noch recht kurz belichten müssen, weil wir keine Bewe­gungs­un­schärfe möchten? Dann kommt der dritte Para­meter ins Spiel. Der ISO-Wert.

Mit ihm steuern wir die Licht­emp­find­lich­keit unseres Foto­sen­sors in der Kamera. Lassen wir also wenig Licht auf den Sensor fallen, so erhöhen wir mit dem ISO-Wert die Licht­emp­find­lich­keit des Sensors und können so die Belich­tung des Fotos ausgleichen.

Der ISO ist also weniger ein gestal­te­ri­sches Mittel, sondern eher Mittel zum Zweck, damit wir unsere bild­ge­stal­te­ri­schen Einstel­lungen so umsetzen können, wie wir das möchten.

Aber man muss den ISO-Wert mit etwas Vorsicht begegnen. Wenn wir ihn hoch­setzen, werdet ihr je nach Kamera fest­stellen, dass das Bild zu rauschen beginnt, der Kontrast und auch die Schärfe etwas nach­lassen. Dies ist umso stärker, je kleiner der Sensor ist. Größere Sensoren rauschen gene­rell eher weniger.

Grund­sätz­lich sollte man aber keine Angst davor haben den ISO-Wert auch mal etwas höher zu nehmen. Wo in deiner Kamera die akzep­table Grenze liegt, musst du selbst einmal auspro­bieren und vari­iert evtl auch von der Situa­tion. In der Nacht­him­mel­fo­to­grafie oder auch bei der Aufnahme von Polar­lich­tern werden durchaus ISO-Werte von 6400 genutzt. Auch in der Vogel­fo­to­grafie können hohe ISO-Werte aufgrund extrem kurzer Belich­tungs­zeiten notwendig sein.

In der Land­schaft können wir in den meisten Situa­tionen recht tief mit dem ISO-Wert bleiben. Im Hinter­kopf sollten wir behalten, dass die Bild­qua­lität besser ist, je nied­riger der ISO-Wert ist. Moderne Kameras haben aber auch bei mitt­leren und hohen ISO-Werten ein Rauschen, das völlig akzep­tabel bezie­hungs­weise kaum vorhanden ist. Auch Entrau­schen-Tools in Bild­be­ar­bei­tungs­pro­grammen nehmen dem ISO-Rauschen mitt­ler­weile den Schrecken.

Wenn ihr jetzt denkt, dass ihr einfach den ISO Wert niedrig lasst, dunkler belichtet und hinterher in der Bild­be­ar­bei­tung die Belich­tung hoch­zieht um weniger Rauschen zu erhalten, liegt ihr leider falsch. Ihr werdet dadurch stär­keres Rauschen erhalten, als wenn ihr den ISO-Wert hoch­setzt. Wieso das so ist erfor­dert beinahe schon ein eigenes Video. Ich versuchs in wenigen Sätzen zu erklären.

Durch hoch­setzen des ISO-Wertes, also der Licht­emp­find­lich­keit des Sensors, erhöhen wir das vorhan­dene elek­tro­ni­sche Rauschen. Ist die Licht­menge die auf den Sensor trifft so hoch, dass sie dieses elek­tro­ni­sche Rauschen über­deckt, wirkt es, als ob wir weniger Rauschen hätten. Wenn die Licht­menge dieses Rauschen nicht über­deckt, weil wir mit der Empfind­lich­keit so gering bleiben, ziehen wir in der Nach­be­ar­bei­tung das aufge­nom­mene Licht und das elek­tro­ni­sche Rauschen gemeinsam mit dem Belich­tungs­regler hoch und holen uns deut­lich mehr Rauschen ins Bild.

Diving into Nort­hern Lights | Nikon D7200 + Tokina 12–24 mm

Bild­ge­stal­tung

Wir haben nun also 3 Möglich­keiten in der Hand um die Belich­tung einer Szene vorzu­nehmen. Wie wir die korrekte Belich­tung errei­chen wollen hängt von uns und dem Motiv ab.

Nehmen wir als Beispiel eine Szene in der Natur. Vor uns dient ein Feld als Vorder­grund, Haupt­motiv in der Bild­mitte ist ein schöner Baum. Der Hinter­grund wird von einem wolken­ver­han­genen Himmel gebildet.

Möchte ich ein klas­si­sches Land­schafts­bild, versuche ich alles mit Hilfe einer Blende f/11 scharf zustellen. Herrscht Wind­stille, kann ich die Belich­tungs­zeit recht lang wählen, zum Beispiel 1/10 Sekunde. Das ermög­licht mir den ISO-Wert niedrig bei ISO 100 zu lassen.

Herrscht Wind und ich möchte dennoch alles scharf ohne Bewe­gungs­un­schärfe darstellen, muss ich mit der Belich­tungs­zeit runter, auf 1/200 Sekunde. Um die gerin­gere Licht­menge auszu­glei­chen, muss ich nun mit einem ISO 400 oder ISO 800 arbeiten. Möchte ich den Wind im Bild gestal­te­risch darstellen, kann ich bei den Werten zuvor bleiben.

Möchte ich nun den Baum frei­stellen und das Feld unscharf im Vorder­grund darstellen, öffne ich die Blende weit auf f/4. Trotz recht kurzer Belich­tungs­zeit kann ich ggf. wieder mit einem ISO-Wert von 100 eine ausge­wo­gene Belich­tung erreichen.

In allen drei Fällen habe ich die gleiche Belich­tung auf dem Sensor ermög­licht, aber drei unter­schied­liche Fotos aufgenommen.

Ihr seht also unter­schied­liche Wege führen zu eurer perfekten Belich­tung. Wie ihr dahin kommt, hängt davon ab, wie ihr euer Motiv darstellen möchtet. Es gibt eigent­lich kein Falsch oder Richtig. Macht euch schon vor der Aufnahme Gedanken wie ihr die Aufnahme gestalten wollt. Wenn euch das am Anfang noch schwer fällt, dann probiert und spielt mit unter­schied­li­chen Belich­tungs­zeiten und Blen­den­öff­nungen. Die Auswahl eures Lieb­lings­fotos könnt ihr dann in Ruhe zu Hause am Bild­schirm vornehmen.

Ich hoffe das Thema ist euch nun etwas klarer und ihr könnt ISO, Blende und Verschluss­zeit zu eurem Vorteil einsetzen. Lest in einer Woche den nächsten BLOG über die unter­schied­li­chen Kame­ra­modi und ihr seid voll gerüstet, um in der Foto­grafie durchzustarten.

Bis dahin, nicht vergessen den Auslöser zu drücken.

Früh­lings­som­mer­abend | Sony a7IV + Sony FE 4/24–105 mm G

Diese und alle andere Aufnahmen dieses Beitrags kannst du unter “Prints” als Kunst­druck für deine Wand zu Hause direkt bei mir anfragen. 

VLOG zum BLOG

Dieses Video richtet sich an alle Anfänger in der Foto­grafie oder dieje­nigen, die endlich durch­bli­cken wollen, wie ISO, Blende und Belich­tungs­zeit zusam­men­hängen. Wenn ihr euch bisher schwer damit getan habt, dann viel Spaß beim anschauen!

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