Der letzte Abend auf Sylt – Erfah­rungen und Gelerntes

Mit dem heutigen BLOG/VLOG geht meine Serie über Sylt zu Ende. In den letzten Wochen hatte ich nicht immer Glück mit dem Wetter, aber am letzten Abend auf Sylt hätte es beinahe doch geklappt. Nichts­des­to­trotz war es ein toller Aufent­halt und ich habe einiges Mitge­nommen. Was ich gelernt habe und was meine Erfah­rungen waren erfahrt ihr in diesem Beitrag. 

Ich hab noch einen kleinen VLOG für euch, in dem ich an einen der letzten Abenden auf Sylt, noch einmal einem mögli­chen Abendrot hinter­her­jage und noch einmal versuche ein paar schöne Motive in der halb verschneiten Land­schaft zu finden. Außerdem einige weitere Eindrücke von Deutsch­lands nörd­lichster Insel. Wer direkt zum Video gehen will kann hier klicken. 

Gear:

Sony a7IV
Sony FE 2.8/16–35 mm GM
Sony FE 4/24–105 mm G OSS
Sony FE 100–400 mm GM

Die letzten Tage auf Sylt

Die letzten Tage auf Sylt waren geprägt von Minus­tem­pe­ra­turen und etwas Schnee, dass sich stel­len­weise auf der Land­schaft verteilte. Nicht ganz ideal, wie sich heraus­stellte. Dafür war es deut­lich weniger windig, was den Aufent­halt im freien etwas ange­nehmer machte. Ich wollte noch einmal losziehen am letzten Abend, nach dem alles soweit im Auto verstaut, die Abreise vorbe­reitet war. 

Die Chancen auf ein Abendrot standen 50:50. Mit dem Motiv war ich mir noch etwas unklar. Der Lange Chris­tian? Die Uwe Düne? Die Holz­wege? Viel­leicht doch nochmal am Strand nach einem inter­es­santen Vorder­grund suchen, sollte es tatsäch­lich zu einem tollen Abendrot kommen? So viele Optionen, doch nur eine wirk­lich Option muss ich wählen. Sollte der Himmel kurz­fristig „Feuer fangen“. 

Ich ging früh­zeitig los und schon unter­wegs merkte ich, dass der Himmel in Farben getaucht war. Hohe Wolken, die ober­halb der tieferen Wolken standen, hatten schon die Farbe der unter­ge­henden Sonne aufge­nommen. Von der Sonne selbst war nichts zu sehen. Das muss aber nichts heißen. Es muss nur irgendwo in der rich­tigen Ecke ein Loch in der Wolken­decke geben, schon würde es klappen. Doch es klappte nicht.

Dafür hielten sich die Farben in den oberen Wolken­schichten erstaun­lich lang. Fast eine komplette Stunde. So konnte ich doch mehr auspro­bieren, auch wenn am Ende kein „Knaller-Shot“ dabei sein sollte. 

Muster aus Eis und Sand | Sony a7IV + Sony FE 2.8/16–35 mm GM

Der Punkt mit Ebbe und Flut

Grund dafür war auch die vorherr­schende Ebbe am Abend. Eine Erfah­rung, die ich aus Sylt mitnehme. Die Ebbe ist nicht immer eine gute Vorraus­set­zung für klas­si­sche Land­schafts­auf­nahmen. Ist der Strand dadurch sehr lang, kann dies, wenn er den Mittel­grund bildet, nach­teilig sein. Manchmal kann man eben nicht noch tiefer mit der Kamera gehen. Oder ihr völlig „entfernen“ durch die Kame­ra­per­spek­tive, denn irgendwie muss doch eine Verbin­dung zwischen Hinter­grund und Vorder­grund vorhanden sein. 

Dafür ist die Ebbe ein toller Zeit­punkt für allerlei Details. Es hat also alles seine Vor- und Nach­teile. Das macht es einer­seits span­nend, ande­rer­seits natür­lich auch umso schwie­riger, da bei der Foto­grafie am Meer weitere Para­meter eine entschei­dende Rolle spielen. Für die, die weiter weg wohnen vom Meer und nur wenige Tage im Jahr vor Ort sind, ist das natür­lich nicht ideal. Da muss man auch mal einfach das beste aus der Situa­tion machen. Und dafür hilft es Allrounder zu sein. 

Gefro­rener Sand | Sony a7IV + Sony FE 2.8/16–35 mm GM

This and all other shots of this post you can request under “Prints” as an art print for your wall at home directly from me. 

Erfah­rungen

Damit kommen wir zum Ende meiner Serie über Land­schafts­fo­to­grafie auf Sylt. Der Aufent­halt in Sylt war eine tolle Erfah­rung. Klar ging es nicht nur um die Foto­grafie, der Haupt­au­gen­merk lag woan­ders, aber ich hatte dennoch viel Zeit eine, mir völlig fremde Land­schaft in vielen Facetten zu beob­achten und zu erkunden.

Ich konnte dort am Meer viele Werk­zeuge aus der Foto­grafie üben und nutzen. Von Details bei Wasser und Sand, Tier­fo­to­grafie, großen Szenen, kleinen Szenen, Foto­grafie mit Weit­winkel bis zum längsten Tele­be­reich, Filter­fo­to­grafie, Fokus-Stacking, HDR-Aufnahmen und sogar ICM-Aufnahmen konnte ich alles nutzen und gebrau­chen. Es war also hilf­reich, dass ich mich in den Jahren meiner Foto­grafie mit allen Themen bereits intensiv ausein­an­der­ge­setzt habe. Denn so konnte ich zu jeder Zeit das passende Werk­zeug aus der Schub­lade holen.

Mein Tipp an die, die noch in den Anfangs­mo­naten und ‑jahren ihrer Foto­grafie stecken. Probiert viele Dinge aus, versucht alle Dinge in den Grund­zügen zu beherr­schen, bleibt flexibel im Kopf, dann könnt ihr zu jeder Zeit eure Fähig­keiten nutzen und euch auf die jewei­lige Situa­tion einstellen. Spezia­li­siert euch nicht zu früh. Und wenn ihr euch doch bereits spezia­li­siert habt, dann probiert immer wieder etwas neues aus und seid offen für alles.

Blick übers Rot-Weiße Kliff | Sony a7IV + Sony FE 2.8/16–35 mm GM

Was habe ich in Sylt gelernt

  • Ich war zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel Essens­zeiten oder auch andere Termine, oft gebunden. Konnte also nicht immer dann losziehen, wann ich wollte. Gene­rell bin ich ja häufig dann unter­wegs, wenn die Sonne am Hori­zont steht. Denn ich nehme gerne die Farben mit, die entstehen, wenn die Sonne tief steht, oder bereits unter­ge­gangen ist. Manchmal, je nach Wetter, ist eine Stunde nach Sonnen­auf­gang, bzw. eine Stunde vor Sonnen­un­ter­gang aber sogar ein besserer Zeit­punkt zum Foto­gra­fieren, als während Sonnen­auf­gang oder ‑unter­gang. Das habe ich in Sylt gemerkt. Warum ist das so? Weil das Licht noch etwas höher z.B. auf Hügel und Dünen­bü­schel fällt. Und nicht allzu große Stellen bereits komplett im Schatten sind. Mehr Schat­ten­wurf und dennoch weiches Licht im Wechsel. Dadurch ergibt sich auf den Bildern, die ja zwei­di­men­sional sind, ein drei­di­men­sio­naler Effekt. Häufig war auch dank der Bewöl­kung nach Sonnen­un­ter­gang das Licht sofort weg. In dem Fall waren die Bilder einfach nur flach und langweilig.
  • Was hab ich noch mitge­nommen. Nach Sturm und bei Ebbe kann es wunder­bare Details zum Foto­gra­fieren geben. Der Sturm bläst die Fußs­spuren wieder weg oder formt erstaun­liche Dinge in den Sand. Die Flut verän­dert jedes mal aufs neue die Details in der Land­schaft und sobald das Wasser zurück­geht und Ebbe herrscht, kann man als Foto­graf beginnen diese Details zu entde­cken. Mal sind es Sand­rippen, mal bleibt Seege­tier, Muscheln, Pflanzen zurück, die man als Motiv im Vorder­grund nutzen kann oder gleich selbst eine beson­dere Szene ergeben. Kein Tag gleicht dem anderen am Meer.
  • Wenn Flut herrscht und gutes Licht vorhanden ist, dann sind klas­si­sche Land­schafts­auf­nahmen eine gute Wahl. Das Meer ist näher und der Strand, als poten­ti­eller Mittel­grund ist nicht so lang. Ein lang­ge­zo­gener, lang­wei­liger Mittel­grund, den wir bei Ebbe even­tuell haben können, wirkt auf Bildern nicht schön und sepa­riert Hinter­grund von Vorder­grund zu stark. Man kann also toll variieren.
  • Außerdem hab ich gelernt, wie ICM Foto­grafie die Krea­ti­vität stei­gern kann und selbst bei foto­gra­fisch schlechten Bedin­gungen noch zu tollen Ergeb­nissen führt. Ich hatte Zeit und wollte irgendwas foto­gra­fieren, aber weder Licht noch Wetter spielten mit. Überall Fußspuren von Mensch und Hund, kein rich­tiges Motiv, dass sich irgendwie hervor­getan hat. Dann fiel mir ein, dass ich einige künst­le­ri­sche Aufnahmen über die ICM-Technik machen könnte. Und das hatte wunderbar geklappt.
  • Im Großen und Ganzen wurde ich wieder in meiner Über­zeu­gung gefes­tigt, dass man immer und überall tolle Motive und Aufnahmen machen kann. Voraus­ge­setzt man hat die Erfah­rung, die Kenntnis und die Krea­ti­vität darüber, wie man gewisse Dinge in Szene setzen kann. Also jedes mal, wenn wir uns mit der Foto­grafie beschäf­tigen lernen wir etwas dazu. Und das hilft uns an anderer Stelle wieder weiter.
Halme im Eis | Sony a7IV + Sony FE 2.8/16–35 mm GM

Pictures from the VLOG

Ich möchte euch nun zum Abschluss, neben den Aufnahmen aus dem VLOG, noch einige weitere verps­ro­chene Fotos aus Sylt zeigen, die in keinen VLOG platz gefunden haben. Denn häufig war ich auch mit meiner Frau und unserer Tochter unter­wegs. Dann habe ich das vloggen natür­lich bleiben lassen und die Zeit mit Ihnen genossen. Ich hoffe euch haben die Eindrücke aus Sylt eben­falls gefallen! Schreibt gerne in die Kommen­tare, wenn es so war!

Viel Spaß beim Anschauen.

VLOG to the BLOG

Fast hätte es geklappt! Ich hätte so gern wenigs­tens ein Abendrot foto­gra­fiert. Am letzten Abend dann die Chance. Viel­leicht 50:50, dass es klappen könnte. Also ging ich raus. Die sons­tigen Bedin­gungen waren nicht so ideal, aber schaut rein, was daraus geworden ist. Viel Spaß beim Schauen!

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