Natürlich stellt man sich als Fotograf, nicht nur als Anfänger, immer wieder die Frage, welche Kamera oder welches Objektiv ist für mich das beste oder sagen wir geeignetste. Dafür gibt es keine hundertprozentige Antwort, nur eins lässt sich sagen:
Die perfekte Kamera, ist die, die man dabei hat.
Selbiges gilt auch für das Objektiv. Manchmal ziehe ich mit nur einem Objektiv oder gar Festbrennweite los und versuche dann meiner Kreativität freien lauf zu lassen, in dem ich mich bewusst in diesem Feld einschränke. Zu Wissen nicht jeden Shot machen zu können, aber alle Kreativität in die Fotos zu legen, die man in dem Moment machen kann hilft einen manchmal auch über kreative Täler hinweg.
Nun, in diesem Abschnitt soll es um die Einsatzbereiche verschiedener Brennweiten und über deren Bildwirkung gehen.
Zoom- oder Festbrennweiten
Der Hauptunterschied ist, Zoomobjektive  haben einen einstellbaren Brennweitenbereich, wodurch man so zusagen zoomen kann, also den Bildwinkelbereich wählen kann, während bei Festbrennweiten die Brennweite also der Bildwinkel, der aufgenommen werden kann fix ist. 
Der Vorteil der Objektive mit variabler Brennweite besteht ganz klar in der Flexibilität. Dafür sind sie meist etwas größer, schwerer, nicht ganz so scharf (bis ins letzte Detail) und haben für den gleichen Preis eine oftmals schwäre Lichtstärke, lassen also weniger Licht auf den Kamerasensor hindurch. IN der Landschaftsfotografie, bei der man auch mal an einer Klippe in der Landschaft steht und sich eben nicht immer frei bewegen kann, schätzen wir die Flexibilität natürlich, und benötigen meist keine so hohe Lichtstärke (außer bei Astro- und Polarlichterfotografie), weshalb sie gerne von Landschaftsfotografen eingesetzt werden. 
Der Vorteil der Festbrennweite besteht ganz klar auf der oftmals höheren Lichtstärke und der damit verbundenen Möglichkeit ein Motiv schön frei zu stellen. Oftmals sind sie kleiner und leichter und haben eine beindruckende maximale Schärfe. Daher kommen sie gerne bei Portraitfotografie oder auch der Streetfotografie zum Einsatz. Bei letzterer weil sie eben so leicht sind, und man sich bevor man ein Foto schießt nicht noch mit zoomen beschäftigt, man also sehr flink ist. Der Nachteil natürlich, die Brennweite ist fix und möchte man mehr oder weniger auf das Bild bekommen, muss man sich bewegen.
Später werde ich euch noch zeigen, dass es auch bei Zoom-Objektiven Sinn machen kann sich zu bewegen und nicht einfach nur hinzustellen und zu sagen, dann zoom ich halt. Die Bildwirkung wird eine andere sein, wenn ihr z.B. nahe an das Objekt ran geht und weitwinklig fotografiert, oder weiter weg und mit langer Brennweite, auch wenn das Objekt auf den fertigen Bildern gleich groß ist.
Brennweitenbereiche

Quelle: https://www.naanoo.com/wp-content/uploads/2018/04/brennweite-objektive.jpg

Die Darstellung auf der linken Seite hat mir sehr gut gefallen und habe ich auf der unten verlinkten Seite gefunden. Es zeigt die Brennweitenlänge mit dem dazugehörigen Bildwinkel und seitlich rechts die Anwendungsfälle, für die man die Brennweite im Normalfall einsetzt. Natürlich kann ich auch mit einer Telelinse Landschaften fotografieren, oder mit einem Weitwinkel Portraits schießen, aber wie gesagt, es geht um den normalen Anwendungsbereich. 
In der Landschaftsfotografie kommt es eben dann auch auf die Landschaft an, die ich fotografieren möchte. In Wäldern bin ich zu 95% mit einem 24-70mm oder 24-105mm super bedient, an Küsten und Seen womöglich eher weitwinkliger mit 16mm. In Island schwören manche auf 12mm für extreme Aufnahmen dieser extremen Natur. In den Bergen kann ich phänomenale Aufnahmen mit 100mm und mehr machen, je nach dem ob das Motiv passt, kann aber auch ein Weitwinkel gut gebrauchen. Um die Milchstraße aufzunehmen gibt es womöglich nichts besseres als ein 20mm mit Lichtstärke f1.4. 
Wenn ich alles möchte und dann auch noch Portraits und Hochzeiten fotografieren möchte, dann habe ich voraussichtlich schnell einige tausende Euros ausgegeben und eine ganze Batterie von Objektiven zu Hause, die ich eh nie alle auf einmal mitschleppen kann und will.
Damit kommen wir wieder zu dem Tipp von oben: Das beste Objektiv ist das, was man dabei hat. Und daraus sollte man lernen das meiste herauszuholen. 
Gehe ich auf mehrtägige Wandertour in die Alpen nehme ich evtl. nur mein 24-105mm mit, um Gewicht zu sparen. Selbiges reicht auch, um ein wenig "Reise- oder Urlaubsfotografie" zu machen. Brauche ich was weitwinkligeres, nehme ich mir die Zeit ein Panorama zu schießen, was ich heute leichter denn je in Photoshop zusammensetzen kann. Hätte ich gerne noch die Gams aus nächster Nähe fotografiert, dann habe ich halt Pech. Damit muss ich leben, aber seien wir ehrlich, wäre das der Schuss des Jahres geworden? Vermutlich eher nicht.
Bin ich eher häufiger auf Tagesausflügen, z.B. in der Pfalz unterwegs, dann habe ich gegen etwas mehr Gewicht nichts und kann bspw. ein 24-105mm und 100-400mm in den Rucksack packen. Mache ich einen Road-Trip durch Island, dann klar nehme ich vielleicht ein 16-35 mm (oder14/12-24mm), 24-105mm und 100-400mm mit, da ich erwarte nicht nur auf den Beinen, sondern viel im Auto zu sitzen. Wenn dann das 16-35 mm noch Lichtstark ist und bspw. f2.8 als Offenblende, dann kann ich damit noch wunderbar die Nordlichter fotografieren, sollte sich mir die Möglichkeit eröffnen. 
Möchte ich Menschen Portraitieren dann wäre ein Einstieg mit einer Festbrennweite von 85mm mit Lichtstärke 1.8 oder 1.4 ideal. Streetfotografen würden vielleicht mit 35mm oder 55m beginnen. 
Jedes Objektiv hat also seine idealen Anwendungsgebiete. Das heißt nicht, das dies es für andere Bereiche ausschließt, aber man muss dann Abstriche machen. Ich selbst war auch jahrelang mit Festbrennweiten in der Landschaftsfotografie unterwegs. 
Brennweite und Bildwirkung
Grundsätzlich kann man sich merken, je weitwinkliger die Brennweite ist, desto größer erscheinen Objekte in der Nähe und desto kleiner werden Objekte in der Ferne, da sich der Bildwinkel vergrößert.  Je länger die Brennweite, desto mehr "verdichtet" man die Tiefenebenen des Fotos; heißt das Objekte in der Ferne den Anschein erwecken, näher an einem Objekt im Vordergrund zu sein. Dieses Verhalten hat einen enormen Einfluss auf die Bildwirkung und ist je nach dem was man wie darstellen möchte sinnvoll einzusetzen. 
In den folgenden zwei Bildern ist das Hauptobjekt jedes mal mit der gleichen Größe auf dem Foto abgelichtet. Mit dem Unterschied, dass es einmal mit 400mm Brennweite und einmal mit 16mm Brennweite gemacht wurde.

400 mm an Vollformat

16 mm an Vollformat

Der Abstand der Kamera zum zum Hauptobjekt musste ich natürlich ändern, um beide male das Hauptobjekt gleich groß abzulichten und bei der Weitwinkel-Aufnahme deutlich näher ran. Der Hintergrund das Bild vom Pragser Wildsee erscheint bei der Tele-Aufnahme, als ob es direkt hinter dem Blasebalg steht, einzig die Tiefenunschärfe lässt daraus schließen, dass evtl. ein Abstand zwischen beiden Objekten vorhanden ist. Diese Eigenschaft nennt sich verdichten. Je größer die Brennweite, desto mehr lassen sich unterschiedliche Tiefen im Bild verdichten.
 In der Weitwinkelaufnahme seht ihr, dass der Hintergrund "aufgeweitet" ist und die Entfernung wirkt, als sei sie größer, bzw. das Bild vom Pragser Wildsee kleiner wirkt. Das Motiv, der Blasebalg wurde aus gleicher Höhe Horizontal fotografiert, erscheint doch aus einem ganz anderen Winkel fotografiert zu sein als bei der Tele-Aufnahme. Ein Stück weit dynamischer wirkt das Bild, bekommt aber auch fast wie von alleine mehr Tiefenwirkung. Dafür kehrt  das Hintergrundelement, das Bild vom Pragser Wildsee, immer weiter in die Ferne, je kleiner die Brennweite wird. 
Fast wie von alleine ist auch der Schärfentiefe mit kürzerer Brennweite größer geworden. Da sie aber auch von der Entfernung zum Objekt und damit auch relativ zum Hintergrund abhängt, gehen wir später darauf näher ein.
Wenn man sich also entscheidet ein Aufnahme eine Objektes oder einer Landschaft zu machen, so sollte man dies im Hinterkopf bewahren. Laufe ich weiter weg und nehme ich eine größere Brennweite oder gehe ich näher ran und eine kürzere Brennweite und versuchen das auf dem Bild darzustellen, was man im Kopf hat und sich nicht vom Motiv die Brennweite vorschreiben lassen (außer man steht an mit dem Rücken zur Wand, oder an einer Steilklippe, vor einem Berg, oder... ).
Ein gutes Beispiel sind diese beiden Fotos von den Armentara Wiesen in Südtirol.

Nikon D7200, Sigma 18-35mm f1.8 Art, @18 mm, ISO 100, f/8, 1/125 Sek.

Nikon D7200, Sigma 18-35mm f1.8 Art, @26 mm, ISO 100, f/8, 1/160 Sek.

Alleine schon diese relativ kleine Änderung von 18 auf 26 mm im APS-C Format (entspräche ca. 27 mm, bzw. 39 mm im Vollformat) hat mehrere Auswirkungen, obwohl die "Weite" der Wiese ähnlich stark auf dem Foto dargestellt wurde:
1. Beim linken Bild wirkt das sitzende Hauptmotiv, meine Frau, deutlich größer im Vordergrund, da ich mit dem Weitwinkel näher dran war. 
2. Obwohl ich näher dran war, konnte ich noch mehr von der Landschaft einfangen (man beachte die Baumgruppe oben auf dem Hügel rechts und ganz links)
3. Beim rechten Bild, obwohl ich weiter weg gelaufen bin, wirken die Berge im Hintergrund deutlich größer und massiver, was dazu führt, dass sie eine größere Aufmerksamkeit im Bild auf sich ziehen. Auch die kleine Hütte, die links beinahe nicht auffällt, ist auf dem rechten Bild deutlich näher dran.
Welches Bild besser ist, bleibt wohl im Auge des Betrachters. Es gibt kein richtig und kein falsch, nur über die Bildwirkung, je nach Einsatz welcher Brennweite sollte man sich bewusst sein. Hier ist die entscheidende Frage, wie dominant soll der Hintergrund, die Berge, denn sein?
Lasst euch also nicht erklären dass die Brennweite vollkommen egal sei, man müsse sich nur bewegen. Das stimmt so nämlich nicht. Die Bildwirkung ist eine völlig andere. Dennoch sollte man keine Angst davor haben, gerade nicht das richtige Objektiv dabei zu haben, wenn man unterwegs ist, denn von den meisten Motiven kann man eine großartige Aufnahme machen, egal welche Brennweite, man muss nur wissen wie und sich mit der Brennweite die man zur Verfügung hat arrangieren und gekonnt einsetzen. Und ggf. ein Stück laufen, dass was Besitzer von Festbrennweiten sowieso gerne machen (sollten). 
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