Einen Bild­band erstellen

In 9 Schritten zum eigenen Buch

Inspi­ra­tion bei anderen Foto­grafen suchen

Ich liebe es Bild­bänder von hervor­ra­genden Foto-Künst­lern anzu­schauen. So kam ich auch selbst auf die Idee ein eigenes Bild­band über meine Heimat zu erstellen. Die Foto­grafen vermarkten ihre Bild­bänder meist über Youtube und Insta­gram, so dass ihr recht schnell Bild­bänder finden werdet, die euch gefallen, wenn ihr dort ein wenig dem Algo­rithmus folgt und entspre­chende Foto­grafen findet, die euch zusagen. 

Ich bin selbst begeis­tert von Werken von Nigel Danson, Mads Peter Iversen, Nick Page, Daniel Laan, usw. Bestellt euch doch ein Buch von Ihnen und betrachtet, wie es aufge­baut ist, das Layout, die Präsen­ta­tion der einzelnen Bilder, usw. Sicher­lich entwi­ckelt sich eine Idee dafür, was euer Projekt sein könnte.

Über dem Nebel | 24 mm, f/2.8, 1/1250 s, ISO 100 

Idee — Denken in einem Projekt

Meiner Meinung nach, ist das Denken in einem Projekt, bei dem das Ziel schon recht klar formu­liert ist, absolut notwendig. Der fertige Bild­band braucht einen Titel. Ansonsten läuft man Gefahr, dass man Bilder von allem mögli­chen macht, aber keins davon thema­tisch zum anderen passt.

Für mich war klar, dass ich ein Bild­band über mein Heimatort machen möchte, durfte man im Lock­down so oder so nicht allzu weit reisen. Ganz bewusst, entschied ich mich dafür, nicht nur Bilder im Ort, sondern auch außer­halb in der Natur und den Land­schaften um den Ort herum, aufzu­nehmen. Mein Heimatort Malsch bietet neben einem kleinen Berg mit einer Kapelle, vielen Wein­bergen eben­falls eine kleine Auen­land­schaft und einen kleinen Wald, der unter Natur­schutz steht. Alles, was man als Land­schafts­fo­to­graf braucht, um tolle Bilder umsetzen zu können.

Zwei Freunde | 62 mm, f/8, 3/10 s, ISO 100

Dran bleiben — jede Minute nutzen

In einem Projekt zu arbeiten hilft einem natür­lich auch dran zu bleiben. Ich habe mir bspw. Einen Notiz­zettel gemacht, auf dem ich mir Motive, die ich ablichten wollte und das entspre­chende Licht, das ich dafür benö­tigte Notiert. Jedes Motiv wirkt anders in der Blauen Stunde, bei Sonnen­auf­gang, bei Sonnen­un­ter­gang, bei Regen, Schnee, im Früh­ling, im Sommer, im Winter, usw.

Ich recher­chierte, „wann blüht der Bärlauch“ oder wann gibt es den nächsten Voll­mond an der rich­tigen Stelle, usw. Dafür habe ich Apps wie Sun Surveyor genutzt. Dann muss nur noch das Wetter mitspielen. Und sobald 1 und 1 zusam­menkam, ging ich mit meiner Kamera nach draußen. Bei jedem Spazier­gang, nahm ich die Kamera mit. Denn Unver­hofft kommt oft. Und wenn man nur ein Foto als Gedan­ken­stütze aufnimmt, um sich merken zu können „Da mus sich nochmal hin“.

Silber­birke im Nebel | 24 mm, f/11, 1/80 s, ISO 400

Bild­aus­wahl — Weitere Meinung einholen

Recht schnell bekam ich eine statt­liche Anzahl an Fotos über meinen Heimatort und die Umge­bung zusammen und ich versuchte immer noch bessere Licht­ver­hält­nisse zu erwi­schen. Natür­lich habe ich eine erste Bild­aus­wahl selbst vorge­nommen und von Tausend Fotos wurden 250. Danach zählte ich auf die Meinung von Bekannten und Freunden und sagte ihnen, ganz wichtig, sie sollen ihre Meinung frei raus sagen, ich werde nicht belei­digt sein. Welches Foto gefällt ihnen, welches nicht. Was würden sie im Bild­band vermissen, was ist über­flüssig, usw.

Foto­grafie ist eine Kunst­form und über Kunst lässt sich streiten. Was der eine bein­dru­ckend, faszi­nie­rend oder atem­be­rau­bend findet, kann beim nächsten Betrachter kein Emotionen hervor­rufen. Das ist nun mal so. Am Ende entschei­dest du als Künstler, was in den Bild­band kommt und was nicht.

Fach­werk­häuser Malschs | 16 mm, f/13, 30 s, ISO 100

Bild­be­ar­bei­tung — auf jedes Detail achten

Worüber ihr euch bei gedruckten Bildern weniger Sorgen machen müsst, ist Bild­rau­schen. Gedruckt sieht es meist besser aus, als wenn ihr Pixel-Peeping auf dem Monitor veran­staltet. Worauf ihr aber achten solltet, sind Staub-Flecken. Die werden nach dem Drucken noch deut­li­cher zu erkennen sein, als auf dem Monitor, weshalb ihr sie unbe­dingt elimi­nieren müsst.

Achtet auch darauf, dass es keine zu sehr störenden Elemente im Bild gibt, die den Blick auf sich ziehen könnten, aber zur Bild­kom­po­si­tion nicht beitragen. Ein weißer Müll­eimer irgendwo am Rand zum Beispiel. Helle Punkte ziehen Blicke magisch an, deshalb werden solche Dinge von mir im Finish mit Photo­shop entfernt. Achtet auch in allen Rändern, dass keine Bild­ele­mente irgendwo aus dem Nichts kommen und stören könnten. Manchmal hilft auch eine leichte Vignette oder einen Verlaufs­filter, der etwas abdun­kelt, um es für den Betrachter unbe­merkt verschwinden zu lassen. Aber Vorsicht bei der Vignette. Zoomt am Monitor mal etwas weiter heraus und macht das Bild kleiner. Erkennt ihr die Vignette sehr stark? Dann ist sie wahr­schein­lich zu dominant.

Morgen­stim­mung am Wegkreuz | 16 mm, f/11, 1/4 s, ISO 100

Texte und Titel zu Bildern schreiben

Ein Bild­band kommt auch ohne viel Text aus, ich finde es wichtig, dass Bilder einen Titel haben. Mit dem Titel wird meist schon verdeut­licht, was die Geschichte hinter dem Bild ist. Viele profes­sio­nelle Foto­grafen finden sehr origi­nelle und inter­es­sante Titel zu ihren Foto­gra­fien, andere wiederum weniger. Da unter­scheiden sich die Krea­tiven Köpfe auch mal vonein­ander, was ich aber nicht wirk­lich schlimm finde. Ein Titel kann auch mal „Sonnen­un­ter­gang am Rhein“ heißen. Ist nicht sonder­lich exklusiv, aber sagt zumin­dest aus, wo und wann das Bild gemacht wurde.

Bei Texten solltet ihr als auch eher weniger als zu viel schreiben. Lasst die Bilder spre­chen. Am besten bleibt ihr aber ein wenig der Linie treu. Wollt ihr schreiben, wie ihr die Bilder aufge­nommen habt, oder was ihr auch damit gedacht habt, oder die Geschichten dazu erzählen, was ihr bspw. erlebt habt während der Aufnahme? Wollt ihr ein Lehr­buch schreiben, wie man selbst solche Fotos aufnimmt? Macht euch dazu vorab ein paar Gedanken und bleibt so gut es geht beim Thema.

Der Zehnt­keller und das ehema­lige Gast­haus Adler | Panorama mit 16 mm, f/11, 4/5 s, ISO 100

Diese und andere Aufnahmen als als Kunst­druck für dein Zuhause kannst du jeder­zeit unter „Prints“ direkt bei mir anfragen. Herge­stellt von einem der welt­weit führenden Foto­la­bore in höchster Qualität. 

Profes­sio­nelles Layout umsetzen

Ich hatte mir am Anfang den Kopf darüber zerbro­chen, wie ich das Layout setzen könnte und verschie­dene Dinge auspro­biert. Um es kurz zu machen: Es geht nichts über ein profes­sio­nelles Layout-Programm wie bspw. InDe­sign. Nachdem alle Texte standen, Bilder klar waren, habe ich mir das Programm für rund 30€ pro Monat über meine Crea­tive­Cloud hinzu­ge­fügt. Einige Einstei­ger­tuto­rials halfen mir dabei alles notwen­dige zu kennen und loszu­legen. Nach einigen Tagen war das Buch fertig designt und das PDF für den Probe­druck in der Druckerei. Nach dem der Probe­druck da war, konnte ich Korrektur lesen lassen und mir noch einmal für einen Monat InDe­sign akti­vieren, um die Ände­rungen einzu­pflegen, fertig. Da ich sonst InDe­sign nicht benö­tige schloss ich kein Jahresabo ab.

Früh­lings­abend in der Aue | 105 mm, f/11, 1/4 s, ISO 100

ISBN Nummer beantragen?

Eine ISBN Nummer ist erst dann wichtig, wenn du dein Bild­band über den Bücher­handel verkaufen möch­test. Über die ISBN Nummer ist der Bild­band eindeutig kata­lo­gi­siert und kann so von jedem Buch­laden bestellt und gefunden werden. Hast du vor dein Bild­band nur über deine Website oder privat zu verkaufen, so ist eine ISBN-Nummer nicht notwendig.

Auch der Verkauf von eBooks über Amazon, o.ä. benö­tigt keine ISBN. Dort erhalten eBooks meist eigene Nummern (bei Amazon die ASIN).

Crossed | 27 mm, f/11, 13 s, ISO 100

Buch drucken

Im Internet findet man mitt­ler­weile viele güns­tige, aber trotzdem gute Anbieter für profes­sio­nellen Buch­druck, bei denen man bereits ab einer geringen Auflage günstig Bücher drucken lassen kann. Empfeh­lens­wert finde ich ein starkes Papier mit mindes­tens 150 g und glän­zend, da es einfach hoch­wertig aussieht und auch Schwarz­töne gut heraus­kommen. Ich entschloss mich für die Produk­tion einen Aufpreis zu zahlen, so dass mein Buch klima­neu­tral gedruckt wird und das Papier aus nach­hal­tiger Forst­wirt­schaft (FSC zerti­fi­ziert) stammt.

Abschlie­ßend muss ich schon sagen, dass es ein tolles Gefühl ist, einen eigenen Bild­band gedruckt in den Händen zu halten.

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