Lofoten fotografieren — Teil 3 — Irre Licht- & Polarlichtshow
Ausrüstung:
Sony a7IV
Sony a6700
Sony FE 2.8/16–35 mm GM
Sony FE 4/24–105 mm G
Sony FE 100–400 mm GM
Den VLOG zum BLOG seht ihr unten auf der Seite oder ihr erreicht ihn über diesen Button:
Auch solche Landschaften brauchen episches Licht
Ein wenig pessimistisch war ich ja schon an diesem Morgen. Ja, eigentlich zuletzt immer. Wenn man häufig enttäuscht wurde und sich manchmal nicht mal über die schönsten Dinge freuen kann, dann fällt es einem manchmal schwer positiv darauf zu schauen, was vor einem liegt. Selbst, wenn man auf den Lofoten ist. Im ersten Teil meiner Serie hat ich ja schon angesprochen, dass ich mich in den letzten Wochen und Monaten nicht so gut fühlte, wie ich es gewohnt war. Nicht auf Grund irgendwelcher körperlicher Leiden. Es war irgendwas in meinem Kopf. Ich wollte die Reise hierher auch als einen Wendepunkt betrachten. Wieder zurückfinden an der Freude über unsere Natur, dem Beobachten und Fotografieren. Stille genießen. Einzigartige Szenen aufgreifen und festhalten. Klar wünschte ich mir so sehr ein paar epische Momente, die ich sammeln konnte. Nur für mich. Das ist okay. Niemand muss sie sehen, oder braucht sie teilen. Aber ich sagte schon immer wieder zu mir selbst, dass ja eventuell auch gar nichts klappen könnte. Nicht ein besonderer Sonnenaufgang, keine geniale Lichtstimmung und deshalb nicht ein perfektes Bild auf der ganzen Reise.
Ja eine Fotoreise wie diese hier ist eine Woche. Und jeder von uns weiß, dass auch eine Woche vergehen kann, ohne dass auch nur einmal die Sonne herauskommt, oder auch nur einmal etwas besonderes passiert. Gerade bei uns im Kraichgau, ist das schon auch mal der Fall. Oder es scheint die Sonne non-stop, ohne eine Wolke. Tagelang. Auch hier auf den Lofoten hätte ich das nicht gewollt. Denn auch wenn die Landschaft an sich schon atemberaubend ist, so ist sie ohne Licht doch auch nicht uneingeschränkt fotogen, oder?
Aber so ticke ich halt zurzeit. Den Ball flach halten. Meine eigenen Erwartungen runterschrauben. Aber zu diesem Zeitpunkt konnte ich ja noch nicht erahnen, was noch vor uns stand. Am Flakstadpollen Stand ich in 10cm Neuschnee. Dies Szenerie wunderschön. Der seitliche Lichteinfall passte. Rechts vom Berg eine Wolke, die sich plötzlich färbt. Passt das jetzt zum Bild. Ganz rechts so am Rand? Aber vermutlich wird es nicht viel besser werden, dachte ich. Doch der Himmel und damit das Licht, sollte sich in wenigen Minuten dramatisch ändern und ein fast schon surreales Bild mit fantastischen Farben am Flakstadpollen zaubern. So, dass wir gar nicht genug Zeit hatten alles zu fotografieren, was wir vor den Augen hatten.
Nur Geduld
Wie schnell sich das Wetter im Norden ändern kann, bekamen wir an diesem Tag gleich mehrfach zu spüren. Eine wichtige Lektion für alle Landschaftsfotografen die den Norden fotografieren möchten, haben wir dabei gelernt, man muss nicht immer am richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein, manchmal muss man einfach auch Geduld haben und ein bisschen Warten. Dann aber wird man häufig belohnt. An diesem Spot nahe der zwei Brücken, änderte sich das Wetter zwischen zwei Aufnahmen. Wir mussten nur bereitstehen, Auslöser drücken und das perfekte Licht abpassen. Wenige Minuten davor war das Licht wenig spektakulär. Wenige, ja ich würde sagen Sekunden später standen wir im Graupel-Schneefall und der Berg war kaum zu erkennen.
Erst war also quasi die Spiegelung da, aber das Licht langweilig, dann war die Spiegelung “noch” vorhanden und das Licht sensationell und dann war nichts zu sehen und alles “moody”. Innerhalb von 5 Minuten. Wir hatten also den richtigen Riecher, also Jens. Doch wer weiß, wenn wir 5 Minuten gewartet hätten, wäre es vielleicht wieder ganz anders gewesen.
Spiegelungen und Bildaufbau
Unterwegs Richtung Hamnøy erlebten wir nochmal das gleich Spiel. Wir bogen um eine Kurve und erblickten eine tolle Szene. Am Horizont schien die tiefstehende Wintersonne frei in den Fjord, während um uns herum bereits der Schneegraupel umgab, den wir fast abgeschüttelt hatten. Es reichte gerade, für eine Aufnahme aus der Hand, schnell sprangen wir aus dem Auto, nahmen die Kamera mit dem Objektiv, dass wir eben gerade drauf hatten und drückten den Auslöser. Sekunden später holte uns der Schnee ein und das Licht war weg.
In Hamnoy angekommen waren wir noch im Schneefall, doch der Himmel öffnete sich. Neben den schönen Pastellfarben des Nordens bekamen wir tolle Stimmungen rund um die roten Häuser von Hamnoy.
Wie immer wollte ich neben den bekannten Kompositionen auch eigene Bilder suchen und finden. Dafür nahm ich auch die roten Häuser aus der Nähe für einige Aufnahmen mit ins Bild. Der eigentliche Spot aber sollte perfekt für eine Langzeitaufnahme sein. ND-Filter montiert und 30 Sekunden Belichtung. Wenn so wie hier der Fjord und die Wasseroberfläche bereits sehr glatt ist, bekommt man die Oberfläche so perfekt glatt hin. Einige der wenigen Langzeitaufnahmen die ich machte und mir zudem noch sehr gut gefällt.
Da ich manchmal kein Freund von sehr langen Belichtungen bin, da Wasser für meines Erachtens dann zu surreal wird, mache ich in so einem Fall beide Aufnahmen. Eine kurze Belichtung, dass die Bewegung des Wassers im Bild einfriert und eins mit in diesem Fall ND1000 Filter für eine möglichst lange Belichtung. Braucht die Szene die Ruhe, die von glattem Wasser ausgeht, dann entscheide ich mich dafür, finde ich die Szene braucht diese Ruhe nicht, nehme ich meist das mit kürzerer Belichtungszeit. Da es wirklich auch die persönlichen Vorlieben sind, die dabei zu tragen kommen gibt es kein richtig oder falsch.
Spare 10% auf Luminar Neo
Wenn du Luminar Neo selbst einmal ausprobieren oder kaufen möchtest, dann kannst du mit dem Code ‘Sphoto10´ noch einmal zusätzliche 10% auf Luminar Neo sparen!
Hier geht’s zu Luminar Neo (*)
Hamnøy
Als wir die Aufnahmen hier gemacht hatten, gingen wir bei herrlichem Sonnenschein auf die Brücke, von der die wohl bekannteste Bildkomposition Hamnøys fotografiert werden kann. Hier tummeln sich meist die Touristen, allen voran Asiaten, hauptsächlich wohl Chinesen, die hier ihr Selfie mit Hamnøy als Trophäe einsacken und danach weiterziehen.
Wir konnten nicht das perfekte Licht abpassen, dennoch war es nicht zu hart und die sonstige Atmosphäre rund um den Berg im Hintergrund tat sein übriges, so dass wir doch einige tolle Shots mitnehmen konnten. Der Plan noch einmal vorbeizuschauen wurde auf Grund anderer Spots im Laufe der Woche jedenfalls verworfen. Da ich hoffentlich nicht das letzte Mal auf den Lofoten war, denke ich, dass ich nochmal eine Chance hier bekommen werde.
Wir hielten uns also nicht allzu lange an dieser Stelle auf. Zu oft, wurde dieses Bild schon gemacht. Uns zog es weiter nach Reine, wo wir uns noch etwas stärkten für den langen Nachmittag, der uns noch bevor steht. Am besten macht man das im Kaffee Reinebringen bei einem Kaffee und einer Kanelsknurr, der wohl besten Zimtschnecke der Welt.
Spiegelungen und Bildaufbau
Auch in Reine wurden wir nochmal kurz mit einem wirklich tollen Licht und sogar einem kleinen Regenbogen belohnt. Es reichte für einige Drohnenaufnahmen und ein paar Aufnahmen am Boden.
Unser Ziel für den Abend war der südlichste Punkt, den wir mit dem Auto erreichen konnten. Ein Spot bei dem Ort mit dem wohl längsten Namen — Å. Leider verließ uns hier das Glück mit den herrlichen Lichtstimmungen. Die Sonne ging hinter einer Wolke am Horizont unter und vermieste uns eine geniale Aufnahme von diesem tollen Ort. Einzig kurz nach unserer Ankunft, konnten wir noch etwas Licht mit einfangen, dann verließ uns die Sonne und damit das Licht in etwas trister Stimmung.
So zogen wir — zumindest für diesen Moment etwas geknickt weiter. Aber der Tag war noch laaange nicht vorbei. Der Spot für die Blaue Stunde hatte es noch mal in sich. Eine tolle Perspektive beim Ort Reine mit Brücke, traditionellen Häuser und imposanten Bergen im Hintergrund. Auch hier versuchte ich neben der bekannten Perspektive nochmal möglichst meine eigenen Kompositionen zu finden.
Spiegelungen und Bildaufbau
Der Spot hier, ist für den Berg mit der Hexenhut-ähnlichen Spitze bekannt und der kleinen hölzernen Brücke deren Geländer als führende Linie direkt auf diesen besagten Berg zu führt. Natürlich habe ich das Bild aufgenommen. Aber an einem Ort, an dem alle kommen, um das gleiche Bild zu machen ist für mich eins noch wichtiger, als dieser Shot, nämlich mein eigenes Bild zu suchen.
So lief ich ein wenig umher und fotografierte neben dem Standard auch noch einige weitere tolle Bilder. Diese Szene mit dem zugeschneiten Ruderboot und dem roten Haus gefiel mir besonders gut. Schön war auch, dass sich die Farben in den Wolken noch ein wenig hielten und auch in meiner Aufnahme noch zu sehen waren.
Die Polarlicht-Show
An der Unterkunft angekommen, hatten wir direkt Polarlichter über uns. Da es nur wenige Minuten zum Haukland-Strand waren versuchten wir erneut unser Glück und fuhren los. Ja sie waren da, aber auch wieder die Wolken. Es sollte wohl nicht sein mit Polarlichtern am Haukland-Strand.
Also aßen wir zu Abend und beobachteten weiter das Wetter. Wir lagen schon fast in unseren Betten, als es dann aufklarte und die Aurora Borealis zu tanzen begann. Schnell machten wir uns zu Fuß auf den Weg zu einem kleinen Spot nahe unserer Unterkunft, weil es auch annähernd windstill war, erhofften wir uns Bilder mit Spiegelungen der Nordlichter im Wasser.
Unsere Bemühungen wurden belohnt. Eine Polarlicht-Show für über eine Stunde. Wenn man es nicht selbst erlebt hat, ist es manchmal nur schwer schwer nachzuvollziehen. Und ja Kameras sehen das grün intensiver, als unser Auge. Das liegt häufig an dem vorhandenen Umgebungslicht, und weil unsere Augen ein paar Minuten brauchen sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Darum habe ich meine Kamera auch Intervallaufnahme eingestellt und während sie die Aufnahmen machte, konnte ich mich etwas entfernen, zurücklehnen und das Spektakel genießen.
Und die tanzenden Nordlicher, sie tanzten. Mal schneller, mal langsamer. Und obwohl ich die Nordlichter schonmal gesehen hatte, zogen sie mich wieder in den Bann. Mehr sogar. Nach einiger Zeit erkannte ich mit blosem Auge das intensive grün, das zeitweise leichte lila und ich konnte die Bewegungen genau verfolgen.
Ich habe versucht für euch mit meinen Aufnahmen, wenn auch nur annähernd das festzuhalten was wir an dem Abend erlebt haben und genießen konnten. Ich hoffe ihr könnt es in Teilen nachvollziehen.
VLOG zum BLOG
Begleite mich beim Fotografieren auf den Lofoten! In dieser zweiten Episode meiner Serie besuchen wir Skagsanden, Ramberg und Vikten. Außerdem zeige ich euch, wie ihr die Farben des hohen Nordens aus euren RAWs wieder herausholt.
Feel free to share: