Der Einfluss von Bildbearbeitung auf die Naturfotografie
Den VLOG zum BLOG seht ihr unten auf der Seite oder ihr erreicht ihn über diesen Button:
Ausrüstung meiner Schwester auf ihrer Reise:
Sony a6600
Sigma 30 mm 1,4 DC DN Sony‑E Contemporary
Sigma 56 mm 1,4 DC DN Sony‑E Contemporary
Zum Hintergrund
Meine Schwester hatte für den Winter 24/25 eine Reise nach Tansania geplant. Ihr Hauptziel war es den Kilimanjaro zu besteigen und danach einige Tage auf Safari zu sein. Natürlich wollte sie das auch fotografisch festhalten. Nur viel Erfahrung mit Kameras hatte sie bis dahin noch nicht. Warum denn auch. Ihr Mann fotografiert gerne und ihre beiden Brüder (einer davon bin ich) haben beide ein enorm professionelles Foto-Equipment und kennen, als leidenschaftliche Fotografen, alle Techniken, Kniffs und Tricks. Sprich alles im privaten Umfeld wird gut dokumentiert mit hochwertigen Bildern. Da muss sie selbst eigentlich nie zur Kamera greifen. Außer vielleicht zur Handy-Kamera.
Aber jetzt sollte sie alleine, ohne uns drei Foto-Begeisterten, auf Reisen gehen. Was gibt man so jemanden mit? Also welche Tipps habe ich, ohne Zeit für eine ausführliche Schulung in Sachen Fotografie zu geben, für so jemanden? Dazu gleich mehr.
Das Gepäck war natürlich begrenzt, denn sie musste schon genügend andere Dinge für die Kilimanjaro-Besteigung mitnehmen. Eine Wildlife-Ausrüstung für die Safari wurde von ihr ausgeschlossen. Sie entschied sich für eine Kamera von ihrem Mann: die Sony Alpha 6600. Dazu zwei kleine Festbrennweiten, die man eigentlich sogar in eine Hosentasche stecken könnte: Das Sigma 30 mm und 56 mm f1.4 Contemporary. Summa summarum ein Set, dass es bereits ab 1500€ im Gesamten zu ergattern gibt.
Ok, dachte ich. Für die Foto-Dokumentation auf den Kilimanjaro passt das, aber was willst du damit auf der Safari erreichen, dachte ich mir? Eine Aufgabe, die auch für mich als erfahrener Fotograf durchaus eine Challenge bedeuten würde! Aber es ist nicht ausgeschlossen damit auch tolle Bilder hinzubekommen. Ich habe schon häufig davon gehört, dass man auf einigen Safaris näher an Tiere herankommt, als man denkt und man kein 200–600 mm braucht. Und mit dem Crop-Faktor der Sony APS‑C Kamera wird aus den 56 mm ein 84 mm Objektiv (aufs Vollformat gerechnet). Das liegt dann ja schon fast im Telebereich.

Tipps für “blutige” Beginner
Also kommen wir daraufhin zurück, was ich so jemandem raten würde, der ohne viel Erfahrung auf so eine Reise mit seiner Kamera geht und ich hoffe ihr seht, dass auch ohne das teuerste Equipment geht:
- Fotografiere was dich begeistert!
Speicherplatz ist heutzutage nicht mehr teuer, nehmt eine ausreichend große SD-Karte mit, am besten noch eine zweite und schießt drauf los. Fotografiere was dich begeistert und frage dich was deine Begeisterung ausgelöst hat, um eben das festzuhalten. Und löscht erstmal nichts. Ihr lernt schneller, weil ihr die Fehler direkt seht und gegensteuern könnt. - Nehmt auf jeden Fall RAWs auf!
Ja, ich weiß es gibt immer wieder Leute, die sagen so ein Quatsch, aber das ist es nicht! Viele Kameras erlauben es JPGs out-of-the-cam und RAW parallel aufzunehmen. Diese Möglichkeit würde ich auch nutzen. Im Video zu diesem BLOG seht ihr, wie viel mehr an Information so eine RAW mit sich bringt. Auch wenn ihr als Anfänger noch keine Bildbearbeitung machen wollt oder könnt, speichert euch die RAWs mit ab. Ihr könnt auch Jahre später noch Hand anlegen und so den ein oder anderen Schnappschuss in eine Fotografie für die Wand verwandeln! - Nicht zu viel über Kameraeinstellungen nachdenken!
Die Automatikmodi der Kameras sind nicht all zu schlecht. Im Normalfall sorgen sie dafür, dass das Bild möglichst ausgewogen belichtet wurde und das meiste an Information auch vorhanden ist. Klar bei schnellen Tierbewegungen solltet ihr die Belichtungszeit vorwählen können und ISO Auto nutzen. Aber sonst könnt ihr gerade zu beginn mal die Automatik machen lassen, damit der Ausschuss gering bleibt. - Motiv freistellen oder separieren!
Eine schöne Möglichkeit Motive vom Hintergrund abzuheben ist natürlich das Freistellen mit offener Blende. Gerade, wenn es nur ein Motiv im Bild gibt und kein Nebenmotiv kann recht weit offen fotografiert werden und der Hintergrund verschwommen sein. Wollt ihr Details im Hintergrund erhalten (oft in Landschaftsbildern gewünscht), müsst ihr die Blende schließen. Es empfielt sich also die Automatik mit Blendenvorwahl zu nutzen. Achtet dann aber darauf, dass Hauptmotiv und ggf. das Nebenmotiv schön von harten Kanten z.B. im Hintergrund zu separieren, dass seine Form klar erkennbar ist. Ein Beispiel seht ihr ebenfalls im Video.
Ein Beispiel dazu, was die Kameras an Informationen in RAWs speichern ist dieses Bild des einsamen Elefanten. Auf den ersten Blick war es völlig überbelichtet, Teile des Himmels wirkten wir reines weiß. Nach einem Betrachten des Histogramms in Lightroom und einem angleichen der Belichtung, war im handrumdrehen dieses gelungene Bild entwickelt, ohne tiefgreifende Bearbeitungsschritte.

Die Möglichkeiten in der Bildbearbeitung
Das nächste Bild des “Forgotten Forests” zeigt, welche Details in den Tiefen einer RAW-Aufnahme stecken können. Im Video unten seht ihr, wie stark unterbelichtet die Aufnahme fotografiert wurde. Was die Details im Hellen erhalten hat führte natürlich zu einem Absumpfen der Tiefen. Durch das Aufhellen holt man sich natürlich unnötig viel Rauschen ins Bild zurück, aber mit Hilfe von Standard-Entrauschen oder sogar den neuen Entrauschen-Tools von Lightroom oder auch Topaz kann man hier das Rauschen auf beinahe Null zurückdrehen. In diesem Fall habe ich sogar auf das Entrauschen verzichtet und dennoch ist es nicht störend. Beeindruckend, was die Kameratechnologie hier kann. Um die Atmospähre dieses Waldes wieder etwas ins Bild zurückzuholen bin ich hier tiefgründiger in die Bildbearbeitung gestartet und habe mittels Photoshop, Dodge & Burn Techniken möglichst viel herausgeholt. Ein tolles Bild, wie ich finde, dass ich im VLOG auch ausgedruckt und gerahmt habe. Schaut euch also gerne mal das Endergebnis an. Im Druck ist vom Rauschen nämlich nichts mehr zu sehen.
Was könnt ihr in der Bearbeitung als alles in RAW-Aufnahmen retten:
- Angleichen einer Über- oder Unterbelichtung des Bildes, sogar über den Grenzen des Histogramms des JPGs hinaus
- Angleichen der hellen und dunklen Bereiche, also eines zu hohen globalen Kontrasts in der Aufnahme durch direktes Sonnenlicht
- Optimieren der Farben, also sicherstellen, dass das Bild so wirkt, wie ihr es gesehen habt und bspw. nicht übersättigt oder zu blass
- Angleichen des Weißabgleichs, sicherlich einer der großen Vorteile von RAWs
- Horizonte gerade rücken, ins Bild croppen, Motive hervorheben
- Dreidimensionalität vermitteln mittels Dodge & Burn und Strukturen herausarbeiten
- Nachschärfen, wenn das BIld nicht 100%ig scharf geworden ist, ist auch in einem gewissen Maße möglich
- uvm.

Bildbearbeitung = Freifahrtschein fürs Knipsen?
Also auch wenn vieles in der Bildbearbeitung gerettet werden kann und aus manchen augenscheinlich misslungenen Bildern, noch tolle Fotos gemacht werden können, so möchte ich mit diesem VLOG/BLOG nicht zum kreativlosen Knipsen aufrufen. Nach dem Motto bei 1000 Bildern wird schon irgendwas dabei sein. Erstens sollte man, wenn man ernsthafter fotografieren möchte, eine möglichst optimale Qualität anstreben. Je besser die Roh-Aufnahme, desto besser auch das Endergebnis.
Was ich zeigen will, ist, dass eben nicht jeder Fehl-Schuss auch gleich etwas für die Tonne ist. Manchmal verfliegen Momente so schnell, gerade im Wildlife-Bereich, dass ein zweiter Versuch schlicht nicht möglich ist. Es lohnt sich dann schon ein Bild erstmal zu behalten und nicht gleich zu löschen. Ist es hinreichend scharf, lässt sich vielleicht was draus machen.
Als Beispiel dieses Foto des Löwen auf dem Felsen. Es wurde vom Auto aus fotografiert. Gerade mit der Ausrüstung, mit der meine Schwester unterwegs war, hatte sie nur eine Möglichkeit, draufhalten und abdrücken. Im Roh-Foto, könnt ihr im Video sehen, ist im Vordergrund das Dach des Autos zu sehen, die Position etwas weiter weg, der Horizont schräg, etc. Aber es war alles da, für ein tolles Foto. Also Zuschneiden, Horizont ausrichten, Belichtung, Farben, Schärfen, fertig. Ein zweites Bild war eben nicht möglich. Näher ran zoomen in dem Fall auch nicht. Also war es das beste, was sie in diesem Moment herausholen konnte.
Außerdem kann schon viel Zeit für die Bildbearbeitung drauf gehen. Je besser ihr die Aufnahme in den Kasten bekommt, desto weniger Zeit verbringt ihr am Rechner! Der Moment vor Ort solltet ihr also als die Beschaffung aller notwendigen und bestmöglichen Informationen sehen, die ihr später für das fertige Bild nutzen könnt. Und vergesst vor allen Dingen niemals den Moment fernab der Kamera auch zu genießen!

Überprüfen der Bilder mit abschließendem Druck
Ich liebe es total Bilder zu drucken. Das gibt mir selbst das Gefühl, dass ein Foto tatsächlich auch fertig ist. Ob die Bilder in einem Fotobuch landen oder aber auf einem Fine-Art-Druck an der Wand ist dabei egal.
Bei einem großformatigen Druck kann man natürlich noch einmal alle Details betrachten und so ein Foto wird lebendig. Für das Video habe ich einige bearbeitete Bilder gedruckt, um sie näher betrachten zu können. Die Ergebnisse sind erstaunlich. Selbst bei stark gecroppten Bildern war der Detailgrad der verwendeten APS‑C Kamera absolut ausreichend. Wenn man bedenkt, dass mit “Super-Auflösung” auch noch höhere Auflösungen von vielen Bildbearbeitungsprogrammen berechnet werden können, sollte man also keine Scheu davor haben auch mal stärker zu croppen.

Bestes Licht ist nicht selbstverständlich
Gerade wenn man auf so einer Reise ist, ist es nicht selbstverständlich immer ideale Bedingungen und bestes Licht vorzufinden. Man muss eben das Beste daraus machen, was man vorfindet. Hierzu ist es wichtiger Kreativität zu besitzen, eine persönliche Intuition oder ein gewisses fotografisches Auge, als die Kameratechnik bis ins Details zu kennen. So wie das eben auch bei meiner Schwester der Fall war. Viele (auch Berufs-)Fotografen nutzen wahrscheinlich in der meisten Zeit nur einen sehr kleinen Teil der Funktionen, die deren Kamera besitzen.
Stellt sich dann aber doch mal das perfekte Licht ein, wie in diesem Bild der Gnus in der afrikanischen Sonne, dann sollte man natürlich zumindest in der Lage sein, im besten Moment den Auslöser zu drücken. Ein tolles Bild wie dieses entsteht dann fast “von alleine”.
Ach übrigens: Meine Schwester hat es auf den Kilimanjaro geschafft und, wie man an den Bilder sehen kann, auch wieder runter. Auf den eigenen Füßen. Dazu kann ich nur gratulieren, denn ein Spaziergang ist das sicherlich nicht! Die Erlebnisse auf der Safari waren sicherlich ebenso beeindruckend und ich hoffe, dass ich mit der Bearbeitung einiger ihrer Bilder die Momente so verewigen konnte, wie sie diese auch erlebt hatte.

Bilder aus dem VLOG
Alle Bilder aus dem VLOG/BLOG wurden von meiner Schwester Marisa auf ihrer Reise in Tansania aufgenommen. Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmal für die Erlaubnis der Nutzung hier! Die Bearbeitung der Bilder fand von mir in Lightroom und Photoshop statt! Ich habe bewusst auch Bilder genommen, die im ersten Moment den Anschein erweckten, dass sie nicht mehr zu retten sind, um zu zeigen, was mit der Bildbearbeitung alles möglich ist, ohne, dass dazu signifikante Elemente ausgetauscht oder hinzugefügt werden! Die Ergebnisse sind m.E. mehr als zufriedenstellend!
VLOG zum BLOG
Vielleicht kennst du es: Du bist auf einem Urlaub, auf den du schon lange hin gespart hast und fängst deine Erlebnisse in Bildern ein. Danach, bist du ein wenig enttäuscht, denn deine Bilder spiegeln nicht ansatzweise das wieder, was du gesehen hast. Hast du in JPG fotografiert, wirst du nicht viel tun können, manche Bilder sind dann vielleicht nur für die Tonne. Hast du dir aber parallel die RAWs mit gespeichert, erhöht sich deine Chance signifikant, noch etwas aus den Bilder herausholen zu können. Was mit der modernen Bildbearbeitung alles mit den RAWs der heutigen Kameras möglich ist, das zeige ich euch in diesem Video und dabei belasse ich die Bilder weitestgehend wie sie sind, ohne Sky Replacement oder hinzufügen von irgendwelchen Atmosphärischen Effekten etc.! Aber schaut selbst in diesem Video.
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