Keine andere Eselsbrücke in der Fotografie ist wohl so bekannt wie:
Sonne lacht, Blende 8!
Über die Sinnhaftigkeit dieses Spruchs lässt sich garantiert streiten, ganz falsch ist es jedenfalls nicht. Aber fangen wir vorne an und klären erstmal, was die Blende eigentlich ist. 
Die Blende ist die Öffnung des im Objektiv, die darüber entscheidet, wie viel Licht auf den Sensor der Kamera auftrifft. Äquivalent zur Iris des menschlichen Auges kann man die Blende öffnen und schließen. Dies geschieht im Innern des Objektivs über sogenannte Blendenlamellen. 
Je weiter geöffnet, also je mehr Licht durch das Objektiv gelassen wird, desto niedriger ist die Blendenzahl. Je geschlossener die Blende ist, desto weniger Licht erreicht den Sensor und höher die Blendenzahl. Die Blendenzahl wird mit einem kleinen f/ vorangestellt beschrieben. 
f/1.4 = viel Licht, weit offene Blende
f/22 = wenig Licht, weit geschlossene Blende
Wie schon bei der ISO ist die Abstufung der Zahl auch hier so gewählt, dass pro Stufe die Lichtmenge halbiert wird, die auf den Sensor fällt. Die Abstufung lautet:
f/1 - f/1.4 - f/2 - f/2.8 - f/4 - f/5.6 - f/8 - f/11 - f/16 - f/22
Einfluss der Blende auf die Schärfentiefe
Das Öffnen, bzw. Schließen der Blende hat aber noch einen anderen Effekt als nur die Lichtmenge zu steuern, die auf den Sensor trifft. Sie hat ebenfalls eine nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Schärfentiefe. Eine offene Blende verringert die Schärfentiefe und sorgt dafür, dass Objekte stärker vor dem Hintergrund freigestellt werden. Der Hintergrund wird also unschärfer und es bildet sich ein sogenanntes Bokeh aus. Eine geschlossene Blende vergrößert die Schärfentiefe, also es wird in der Tiefe mehr scharf dargestellt. Dies wird häufig in der Landschaftsfotografie bevorzugt, weil man damit vom Vordergrund bis zum Hintergrund alles scharf auf einem Foto darstellen kann. 

50 mm mit unterschiedlichen Blenden, links f/4, Mitte f/8, rechts f/16,
Belichtung durch unterschiedliche Belichtungszeiten angeglichen.

Ein Hinweis: Die Blende in der Landschaftsfotografie einfach soweit wie möglich zu schließen, um größtmögliche Schärfe zu erhalten, ist nicht zu empfehlen. Grund dafür ist die Physik. Licht wird an einer Kante oder kleinen Öffnung gebrochen, bzw. umgelenkt. Eine zu weit geschlossene Blende führt also zu einer sogenannten Beugungsunschärfe, weshalb das Bild wieder im gesamten weniger scharf erscheint. Es gibt also bei jedem Objektiv ein sogenanntes Schärfemaximum, dass es anzustreben gilt. Oft liegt dieser Wert zwischen f/8 und f/16. Außerdem sorgt eine zu stark geschlossenen Blende zu wenig Licht auch dem Sensor, mit einem anzustrebenden niedrigen ISO sorgt dies für lange Belichtungszeiten. Je nach Motiv kann dies gut sein oder aber auch nicht.  
Der Effekt der Lichtbrechung ist schön an dem Foto links zu erkennen. Die Sonne steht exakt an der Kante des Gebäudes, bzw. dem Horizont. Das Licht bricht an eben diesen Stellen und formt sich zu einem sogenannten Sonnenstern aus. Ein gerne genutztes Gestaltungsmittel in der Landschaftsfotografie. 
Die Form des Sonnensterns wird maßgeblich auch über die eingestellte Blende beeinflusst. In diesem Fall eine Blende von f/14.
Wird die Blende zu klein gewählt, als die Zahl sehr hoch, dann wird alles Licht, das durch das Objektiv in die Kamera gelangt an der kleinen Blendenöffnung gebeugt und die Schärfe im Bild lässt nach. 
Über die Blende steuern wir, wie schon gesagt die Größe der Tiefenschärfe, können also ein Motiv freistellen oder alles im Bild scharf stellen. Ganz allein ist die Blende für die Schärfe im Bild allerdings nicht verantwortlich. Wie gut ein Objekt freigestellt wird, hängt zu dem noch von der Entfernung des Motivs von der Kamera, der Brennweite des Objektivs und der Entfernung des Hintergrundes zum Motivs ab. 
Eine kurze Brennweite (Weitwinkel) hat die Eigenschaft, dass die Schärfentiefe größer wird, also mehr Objekte von Vorder- bis Hintergrund scharf sind. Bei gleicher Blende hat eine lange Brennweite die Eigenschaft, Dinge im Vordergrund oder Hintergrund des Motivs schneller unscharf zu stellen. 
Allerdings auch bei einer kurzen Brennweite kann ein Motiv sehr nah an der Kamera, sofern auch auf dieses Motiv fokussiert wird, dazu führen, dass es vor dem Hintergrund freigestellt wird.  Je weiter der Hintergrund zum Motiv entfernt ist, desto mehr wird dieses noch freigestellt. Es ist also zudem auch entscheidend, wo die Schärfeebene gesetzt wird. Was insbesondere bei der Landschaftsfotografie, wo die gesamte Landschaft ja das Motiv sein kann, wichtig zu beachten ist. Aber dazu später mehr im Kapitel manuelle Fokussierung. 
Bei einer langen Brennweite kann das Freistellen aber ebenfalls "nicht funktionieren", wenn der Hintergrund bspw. zu nahe an meinem Hauptmotiv ist. Bei komplett offener Blende von f/2.8 oder f/1.8 ist die Schärfeebene zwar so gering, dass das schon selten der Fall ist, kann aber vorkommen. Manchmal möchte man aber auch auf dem Motiv eine etwas größere Schärfentiefe haben und fotografiert mit Blende f/4 - f/8. Dann kann man versuchen das Motiv etwas weiter weg vom Hintergrund zu positionieren, um diesen wiederum aus der Schärfenebene heraus zu bringen und das Hauptmotiv mehr freizustellen.  
Ihr seht also, neben der Brennweite und der Positionierung von Kamera und Motiv im Raum, ist die Blende  das wohl wichtigste gestalterische Mittel beim Fotografieren. 
Tipp: Bei Portraits mit geringer Schärfeebene, also offener Blende, solltet ihr immer das nähere zur Kamera gelegene Auge fokussieren. Das wirkt natürlicher. 
Die Blende als gestalterisches Mittel
In 90% der Fälle, nutzt der Fotograf die Blende als eines der wichtigsten Elemente der Gestaltung und legt sie vor der Aufnahme des Fotos bereits fest. Bedeutet in eben diesen Fällen genügt es im Programmmodus der Kamer A (oder Av) zu fotografieren und lassen die Belichtungszeit von der Kamera automatisch berechnen. 
Wie lässt sich die Blende gestalterisch verwenden?
Freistellen und Hintergrundunschärfe
Neben dem eigentlichen Freistellen von Motiven von ihrem Hintergrund, bieten gute Objektive auch ein schönes Bokeh. Dieses Bild entstand mit Offenblende f/1.8 an dem Sigma 18-35 f/1.8 Art Objektiv für Nikon. Das Bokeh dieses Objektiv hat eine tolle Künstlerische Form und so mutet das Bild beinahe wie ein Gemälde an. 

Lichtkreise und Bokeh-Effekte
In diesem Bild wurden, durch bewusstes unscharf stellen und einer recht weit geöffneten Blende von f/4, Lichtkreise geformt. Diese entstehen durch eine schöne Runde Blende des Objektivs. Besonders schön sind solche Hintergrundeffekte bei Portraits mit Lichter der Stadt im Hintergrund oder Lichterketten. 
Tipp: Wer es künstlerisch weiter treiben möchte kann mit Hilfe von Bokeh-Schablonen (einfach mal googlen), die vor das Objektiv gemacht werden Bokeh-Effekte mit bestimmten Formen (bspw. Sterne, Herzen, usw.) gestalten. Nur kauft nichts, bastelt es selber, das ist kein aufwand.
Sterne von Lichtquellen
Den Sonnenstern hatten wir oben bereits, aber auch andere Lichtquellen können mit Sternen versehen werden. Hierzu nutzt man die Lichtbrechung an den Blendenlamellen bei weiter geschlossener Blende, bei diesem Foto f/11 des Nikkor 50mm f/1.8 Objektiv. Am Besten funktioniert das bei kürzeren Brennweiten <70mm. 
Ab einer Blende von f/8 formt sich der Effekt bereits  aus, bei Blende f/16 ist er der Stern bei vielen Objektiven am schönsten. Hier gilt einfach mal mit dem eigenen Objektiv ausprobieren und vergleichen. 

Quelle: https://assets.pixolum.com/blog/wp-content/uploads/2019/05/fotografieren-lernen-belichtungs-triangel.jpg

Da wir nun Funktionsweise der Blende kennen, sollten wir uns noch einmal das Belichtungsdreieck anschauen. 
Gehen wir davon aus, dass die Belichtungszeit fest steht, und bereits korrekt belichtet wurde, so müssen wir, für jede Blendenstufe, die wir erhöhen oder verringern, die ISO-Empfindlichkeit in die entsprechende Richtung drehen, um das gleiche Belichtungsergebnis zu erhalten. 
Beispiel: Für den Fall eines Wasserfalls, den wir exakt mit 1 Sek. belichten wollen und uns die Schärfe noch nicht genügt, müssen wir bei einer Erhöhung der Blende von bspw. f/8 auf f/11 die ISO-Empfindlichkeit von bspw. ISO 200 auf ISO 400 erhöhen. Gestalterisch macht es bei fließendem Wasser Sinn, eine gewisse Belichtungszeit anzustreben und auch die Blende ist auf Grund der gewünschten Schärfetiefe oft in einem gewissen Spielraum klar, deshalb sollte man nicht an der ISO 100 kleben bleiben, sondern gerne auch die ISO-Empfindlichkeit erhöhen. Besonders bei modernen Kameras sind die "Qualitätseinbußen" bei höheren ISO-Werten so gering, dass es keine Rolle spielt. 
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