Der letzte Parameter, der uns noch fehlt, um ein Bild korrekt zu Belichten, ist die Belichtungszeit. Also die Dauer des Lichteinfalls auf den Sensor. Logischerweise fällt mehr Licht auf den Sensor, wenn sie lange ist, und weniger je kürzer die Zeit ist. 
Dieser Vorgang des Belichtens wird meist mit dem Drücken des Auslösers gestartet und endet nach der von Fotograf oder Kamera vorgegebenen Belichtungszeit. In der Kamera selbst öffnet und schließt dafür ein sogenannter Verschluss, der wie eine Art Vorhang funktioniert. Öffnet er fällt Licht auf den Sensor, schließt er, ist die Belichtung vorbei. Es entsteht das typische Klackern des Verschlusses, das jedem bekannt vorkommen dürfte.
Auch die Belichtungszeit ist so abgestuft, dass die Lichtmenge pro Stufe, verdoppelt, bzw. halbiert wird. Die typische, nicht ganz korrekte, Abstufung ist (in Sekunden): 
30s - 15s - 8s  4s - 2s - 1s - 1/2s - 1/4s - 1/8s - 1/15s - 1/30s - 1/60s - 1/125s - 1/250s ...
Man spricht ab einer Belichtungszeit von länger als ca. 1/30 Sek. (also 0,033 Sekunden) von einer Langzeitbelichtung und bei kürzerer Belichtung als 1/125 Sek. (also 0,008 Sek.) von einer Kurzzeitbelichtung.  Je nach Kameramodell können Verschlusszeiten von 1/8000 Sek. (0,000125 Sek.) realisiert werden. 
Belichtungsautomatik

Viel "weiß" auf dem Bild? Belichtungskorrektur hoch! (hier +0,7EV)
Viel "schwarz"? Belichtungskorrektur runter!

Wie schon erwähnt ist es in 90% der Fälle durchaus angemessen, sich die Belichtungszeit für ein korrekt belichtetes Bild von der Kamera berechnen und einstellen zu lassen. Hierzu nutzen wir die Blendenvorauswahl (oder Belichtungsautomatik genannt) A (oder Av), stellen ISO und Blende ein und die Belichtungszeit wird von der Kamera berechnet. Wir müssen nur dann korrigierenden eingreifen, sollte die Kamera aufgrund falscher Annahmen zu Hell oder zu Dunkel belichten. 
Warum sie das macht? Im Details werde ich später darauf zurück kommen, aber an einem Beispiel einer Schneelandschaften ist es gut zu erklären. Hier herrscht überwiegend Weiß im Bild. Die Kamera "denkt", oh das ist ja alles sehr hell und bestimmt überbelichtet, also stellt sie die Belichtungszeit recht kurz ein, mit dem Effekt, dass der Schnee grau wird und das Bild zu dunkel. 
Für diesen Fall können wir die Belichtungskorrektur verwenden, an meiner Kamera ist das ein komfortables Drehrädchen, auf dem ich die Belichtung, bspw. auf +1,0 Belichten kann. 
An einem regnerischen Tag, mit dunklen Wolken, kann es passieren, dass die Kamera alles heller machen möchte, weil im gesamten das Bild sehr dunkel wäre. Aber genau das ist die Stimmung des Bildes, also muss ich ggf. mit -0,7 korrigieren. 
Um die Belichtungszeit einzustellen, nutzt die Kamera die Belichtungsmessung. Auch hier können wir eingreifen und der Kamera eine Art und Weise vorschreiben, wie sie das Bild korrekt belichten soll. 
Arten der Belichtungsmessung

Spotmessung auf dem Haus sorgt für die "richtige" Belichtung für dieses Motiv

Unterschieden werden:
-Matrix-, bzw. Mehrfeldmessung
- Selektivmessung
- Spotmessung 
- mittenbetonte Integralmessung
Was sich unglaublich kompliziert anhört ist es meistens auch, zumindest, wenn man ins technische Detail geht. Aber lassen wir das mal außen vor und schauen uns nur die grobe Funktionsweise an. 
Bei der Matrixmessung wird über ca. 80% des Bildes die Belichtung gemessen, also fast alles im Bild befindliche in die Korrekte Belichtung mit eingerechnet. Diese Art der Messung bietet sich häufig in der Landschaftsfotografie an. 
Bei der Selektivmessung ist der Teil deutlich geringer, bei der Spotmessung genau auf dem gewählten Punkt. Die Selektivmessung bietet sich daher bei Portraits mit ungünstigen Gegenlichtsituationen an, wenn man die Belichtung des Gesichtes aber richtig haben möchte. Die Spotmessung, bspw. in der Sportfotografie, bei der exakt der eine Sportler korrekt belichtet sein soll, egal was außen herum passiert. Aber auch bei einem kleinen Fachwerkhaus in mitten eines dunklen Waldes kann die Spotmessung gut funktionieren (siehe links). Ansonsten würde das Haus überbelichten und der dunkle Wald nicht dunkel sein, die Stimmung würde halt nicht passen. 
Die mittenbetonte Integralmessung beachtet die korrekte Belichtung in der Bildmitte, da sie davon ausgeht, dass das Motiv sich dort befindet und korrekt belichtet sein soll, bezieht aber auch die äußeren Bereiche mit in die Belichtung ein. 
Zu einem späteren Zeitpunkt macht es durchaus nochmal Sinn, sich die Funktionsweise klar zu machen, aber für den Moment soll diese Information einmal reichen. 
Verwacklungen Vermeiden durch korrekte Belichtung
Ein weiterer Punkt bei der Belichtungsautomatik, oder generell bei der Belichtungszeit, den man beachten sollte, ist ausreichend kurz zu belichten, sollte man nicht auf dem Stativ arbeiten. Egal wie ruhig die Hände des Fotografens auch sein mögen, irgendwann ist die Belichtungszeit zu lange und man bekommt ein Bild, das aufgrund der Bewegung der Kamera unscharf ist. Als Faustformel sollte man sich merken mindestens mit
längste Belichtungszeit = 1/ Brennweite
zu belichten. Bei APS-C Kameras: längste Belichtungszeit = 1/(1,5*Brennweite)

Gewollte Bewegungsunschärfe um Geschwindigkeit auszudrücken durch den Mitzieh-Effekt und einer recht langen Belichtungszeit von 1/50 Sek.

Bei einer Brennweite von 50mm an einer Vollformatkamera hätten wir also mindestens 1/50 als Belichtungszeit zu wählen. Alles was länger ist, sollte auf dem Stativ fotografiert werden. 
Optische Bildstabilisatoren in Objektiven und Kameras verlängern diese Zeit, so dass mit ruhiger Hand durchaus auch längere Zeiten möglich sein können, man sollte es dennoch mit Vorsicht verwenden und das Ergebnis prüfen. Hätten wir eine Brennweite von 200 mm, wäre eine Belichtungszeit von 1/200 Sek. angemessen. Verfügt der Optische Bildstabilisator die Möglichkeit zwei Stufen länger zu belichten, so kämen wir bspw. auf 1/50 Sek. Belichtungszeit.
Belichtungszeit gezielt als gestalterisches Mittel einsetzen

Belichtungszeit von 30s lässt das Riesenrad "durchdrehen"

Um bestimmte "Effekte" auf Fotografien zu erzielen, ist es manchmal sinnvoll gewisse Belichtungszeiten anzustreben. Dies können eingefrorene Bewegungen sein, oder weich fließendes Wasser eines Baches, das Visualisieren von Wind durch bewegte Gräser, etc. 
In all diesen Fällen kann es sinnvoll sein im manuellen Modus oder der Blendenautomatik (S oder Tv) zu fotografieren. Letztere finde ich nur dann sinnvoll, wenn die Blende als gestalterisches Mittel für mich keinen "Nutzen" hat, bzw. für das Bild nicht notwendigerweise wichtig ist. Bspw. bei Sportfotografie, da die Kamera die Blende automatisch wählt, je nach Belichtung des Bildes.  

1/800 Sek. wurde belichtet, um die fleißige Arbeiterin scharf abzubilden

Gerade beim Sport möchte ich Bewegungen eingefroren haben und nicht, dass Sportler einen Schweif nach sich ziehen. Bei Motorsport möchte ich bspw. die Geschwindigkeit durch einen Nachzieheffekt der Kamera visualisieren und wähle dafür bspw. je nach Geschwindigkeit der Wagen eine Belichtungszeit zwischen 1/50 und 1/125 Sek. um diesen Effekt zu erzielen, den Wagen aber dennoch scharf abzubilden. Dies erfordert einige Versuche. 
In der Landschaftsfotografie, mit eher statischen Objekten, befinde ich mich daher eher im M-Modus. Dort kann ich Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit hin zum Optimum aufeinander abstimmen und, sollten bestimmte Werte nicht zu erreichen sein noch mit Filtern arbeiten. 

2 Sekunden Belichtung und das Wasser ist wunderbar weich

Im folgenden ein paar Anhaltspunkte für Belichtungszeiten und ihre Anwendungsfälle (Beachte: Werte sind immer auch abhängig von Brennweite Bewegung relativ zur Kamera):
< 1/5000 Sek. = Bewegungen schneller Tiere eingefroren 
< 1/2000 Sek. = Bewegungen von Sportlern eingefroren
< 1/500 Sek. = Regentropfen /Wellen einfrieren
< 1/200 Sek. = Herabfallender Schnee einfrieren
> 1/200 Sek. = Wasser beginnt fließend zu werden
1/125 Sek. - 1/50 Sek. = Mitzieheffekte bei Motorsport
> 1/30 = fahrendes Auto verwischt
1/30 Sek. - 1/4 Sek. = Mitzieheffekt bei Sportlern
> 1/8 = Dynamische Bewegung von Jogger wird sichtbar / Wind an Gräsern
> 1/4 Sek. = Dynamische Bewegung von Fußgänger wird sichtbar

Timing und ausreichend Belichtungszeit sind für Lightstripes notwendig

1/4 Sek. - 1 Sek. = fließendes Wasser von Wasserfällen wird weich
2 - 5 Sek. = Bewegung der Nordlichter sichtbar und noch nicht zu "verwaschen"
> 5 Sek. = für Lichtmalerei, z.B. Lichter fahrender Autos, Feuerwerk, etc.
> 10 Sek. = Wolkenbewegungen werden ersichtlich
< 25 Sek. = Sterne bei Milchstraßenfotografie noch Punktförmig (bei sehr kurzer Brennweite)
> 30 Sek. = Platz mit sich bewegenden Menschen wird langsam "menschenleer" / Sterne beginnen "Streifen" zu bilden
Es sei nochmal erwähnt, das sich um Anhaltspunkte handelt. Den Wind, bspw. auf einem Foto darzustellen bedarf bei einer Brise längere Verschlusszeiten, als im Sturm. Um die Belichtungszeit für gestalterische Dinge zu nutzen, bedarf es ggf. den ein oder anderen Versuch.
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